Jetzt schlägt’s Viertel Dreizehn!

Uhr

Zeit. Sie vergeht einfach so schnell. Ganz besonders an Tagen, an dem die Uhr auf Sommerzeit gestellt wird und wir damit innerhalb einer Millisekunde gleich eine ganze Stunde verlieren. So ganz habe ich das mit dieser Uhrzeitumstellung auch noch nicht verstanden. Wenn man die Uhr „vor“ stellt, in welche Richtung stellt man Sie dann? Und ist das nicht doch eher zurück?
Ich höre mich etwas um und bekomme schnell den Eindruck: Vielen Leuten geht es so, dass Sie genervt sind, wenn die Uhren umgestellt werden müssen. Obwohl sie alle in der Regel Uhren besitzen, bei denen das zum größten Teil automatisch passiert. Ich denke nicht, dass ich noch erwähnen muss, dass ich hier – mit meinem Smartphone – mal wieder die Ausnahme bilde. Aber nicht nur mein Smartphone verlangt von mir Steinzeitgemäß das manuelle Umstellen der Uhrzeit (Wo waren nochmal die Einstellungen? Und wie viel Uhr haben wir denn jetzt eigentlich genau?) sondern auch meine Armbanduhr macht so ganz ihr eigenes Ding. Damals – am Handgelenk meines Opas – hat die Uhr immer perfekt dafür gesorgt, dass Monsieur pünktlich wie die Maurer zu vereinbarten Terminen erscheinen konnte. Nie hat er auch nur eine Minute versäumt, nie musste er ratlos in der Gegend Menschen ansprechen, um nach der Uhrzeit zu fragen. Nie kam er morgens in die Verlegenheit, sich die Frage stellen zu müssen: „Ist die zusätzliche Goldkette und das Goldarmband zusammen mit dem goldenen Paillettenblazer jetzt zu viel des Guten in Kombination mit der Gold-Silbernen Uhr?“. Mein Opa trug von Haus aus eher keine Goldketten oder Paillettenblazer. Ich hingegen schon. Und genau wie eben jene Goldkette, eben jenes Armband und jeden Ring, trage ich auch Uhren in erster Linie als Accessoire. Dies ist ein Fakt, den viele meiner Freunde und Bekannte noch nicht so ganz verstanden haben. Wenn ich ihnen beispielsweise zuwinke, dabei am Handgelenk die große, gold-silberne Uhr meines Opas sichtbar wird und ich frage: „Weißt Du zufällig, wie viel Uhr wir haben???“ Oft sehe ich dann nur in ratlose und fragende Gesichter, die zunächst auf mich, dann auf mein Handgelenk und die Uhr, dann wieder in mein Gesicht blicken. Der Verwirrung zum Trotz erkläre ich dann nur kurz, wie es ist: „Meine Uhr ist nicht gestellt, die ist nur Accessoire.“ „Achsoooo, na dann. Verstehe“ kommt dann oft. Und ich weiß, dass sie nicht verstehen. So verstehen sie nicht, dass ich bisher (in den letzten 5 Jahren) noch keinen Nerv dazu hatte, mich darum zu kümmern, wie man diese Uhr eigentlich einstellt. Sie verstehen auch nicht, dass ich es intuitiv stimmiger finde, eine halbe Stunde lang (wenn’s gut läuft) in meiner Tasche nach meinem Smartphone zu kramen, um erst dann zu sehen, wie viel Uhr es gerade ist. Meistens bleibt mir dann selbst das verwehrt, weil mein Handy doch irgendwo anders ist. Im Kühlschrank zum Beispiel. Oder im Kellerklub hinter der Bar in der Fundkiste.
„Haben Sie denn keine Uhr in Ihrer Wohnung?“ fragt mich sogar einmal eine Nachbarin, als Sie mich dabei beobachtet, wie ich an einem Freitag bereits zum 5. Mal in dieser Woche laut fluche, weil ich meine U-Bahn verpasst habe. „Wir haben eine riesige Uhr in meiner WG“, erkläre ich Ihr. „Da ich aber immer zu spät dran bin, habe ich diese Uhr vorsichtshalber auf 10 Minuten zu früh eingestellt. Leider habe ich mich so an diese 10 Minuten zu früh gewöhnt, dass ich daraus schnell 15 Minuten machen musste. Und so ging das weiter und weiter und weiter und…. Kurzum: Inzwischen zeigt unsere WG-Uhr nicht mehr nur die falsche Zeit an. Sie hat auch komplett an Glaubhaftigkeit verloren, keiner traut Ihr mehr über den Weg.“ Die Nachbarin hakt nach: „Warum hängt die Uhr denn dann noch da?“ „Na, weil Sie optisch doch so gut in die Wohnung passt“, schwärme ich.
Und, machen wir uns doch mal nichts vor, selbst wenn ich der Küchenuhr über den Weg trauen würde, wenn ich mein Handy mit der Zeitanzeige in meiner Hand hielte, wenn die Armbanduhr meines Großvaters die korrekte Zeit anzeigen würde, ich hätte wohl trotzdem Probleme mit der Pünktlichkeit. Kürzlich war ich dann mal total pünktlich. Der ganze Tag war durchgetaktet, damit ich um exakt 16 Uhr bei einer Freundin im Café Zimt & Zucker stehe. Mächtig stolz hatte ich akribisch darauf hingearbeitet, pünktlich zu sein. Ich fand mich ganz fabelhaft, wie ich so gut im Timing war. Bis meine Freundin mir um kurz vor 3 schrieb: „Bist Du schon drin? Ich bin gleich da“. In diesem Moment erinnerte ich mich entsetzt daran, dass wir 15 statt 16 Uhr ausgemacht hatten. Ab da war ich dann nicht mehr ganz so stolz, kündigte an, dass ich mich um eine satte Stunde verspäten würde und dass ich dann aber pünktlich um 16 Uhr am Café stehen würde. Versprochen.
Also machte ich mich fix fertig, föhnte mir rasend schnell die Haare, goss noch einmal in nullkommanichts meine verstrockneten Pflanzen (die verschrumpelte Zitrone und die braunen Blätter am Zitronenbaum zeigt deutlich, dass hier die Zeit für Bewässerung eigentlich längst abgelaufen war) und blieb erst wieder bei der Frage hängen: „Passen diese Schuhe und diese Tasche wirklich zu meiner Uhr?“ Nachdem ich diese Frage nach etlichem hin und her für mich beantwortet hatte (ja, passt. Man darf nur nicht genau hinschauen) lief ich los. Wiedermal völlig Zeitlos. Also tippte ich eine Dame neben mir an und fragte höflich: „Könnten Sie mir sagen, wie viel Uhr wir haben?“. Die Dame lächelte und antwortete: „Wir haben jetzt Viertel Vier.“
„Ah…danke!“ entgegnete ich.
Viertel Vier.
Was sollte das nun heißen? Viertel VOR Vier? Viertel NACH Vier?
Und ich kam zu dem Schluss:
Ob 15:45 oder 16:15 Uhr. Ich weiß, dass ich definitiv ein Problem mit Zeit habe.
Aber da draußen gibt es tatsächlich Menschen, die „Viertel Vier“ sagen.
Und da sieht mein Problem doch gar nicht mehr sooo gravierend aus, oder!?
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beziehungsproblematik

 

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INSPIRATION. So ein großes Wort neben einer so kleinen Johanna. Inspiration ist so eine Sache, manchmal fehlt sie einfach. Umso schlauer, wenn man vorsorgt – finde ich – und auf Inspirationssuche geht.
Meine Suche begann am Samstag, um 9:30 Uhr auf dem Blogst-Workshop in Verbindung mit der Designmesse Blickfang. Neben reichlich Inspiration war ich auch auf der Suche nach Antworten zu Fragen wie „Was gibt es noch für Blogger da draußen?“, „Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?“, „Welche Fragen kommen bei Ihnen so auf?“ und „ob ich der einzige Blogger mit einem Windowsphone bin?“. Letztere Frage konnte ich schon nach kürzester Zeit mit „Ja“ beantworten. Nämlich, als man sich kunterbunt austauschte und ich nur noch hörte „…ein super Tool, gibt’s auf alle Fälle fürs iPhone“ oder auch „…das ist ja eine praktische App zum Bloggen. Die gibt’s jetzt auch für iOS und Android“. Ich schaue enttäuscht und auch etwas wütend auf mein Windowsphone. Und gerade, als ich beschließe, dass es weg muss, bekomme ich das Gefühl, dass mein Windowsphone gleich irgendwie traurig aussieht. Natürlich, ein Smartphone hat keine Gefühle. Und mir wurde schon einmal von meiner Freundin Laura, zu diesem Zeitpunkt meine Beifahrerin, attestiert, dass ich zu Gegenständen oft eine zu tiefe Beziehung entwickele. Damals habe ich ihr vehement widersprochen. Nachdem ich aber kurz darauf mit meinem Smart steil bergauf fahren musste und mich Laura dabei beobachten konnte, wie ich das Fahrzeug tröstend am Armaturenbrett tätschelte, kam in mir doch die Befürchtung auf, dass da etwas dran ist.
„Bist Du auch bei Instagram?“ werde ich von einer Workshop Teilnehmerin gefragt. „Jein, das gibt’s bisher fürs Windowsphone nur in der Beta-Phase“, flüstere ich und halte mein Smartphone etwas von mir weg. Es ist schon deprimiert und muss auch nicht alles Negative hören. (Habe ich eventuell doch ein größeres Problem?)
„Inspiration…“ wechsele ich schnell das Thema. „…woher bekommt Ihr denn so die besten Ideen für Euren Blog?“ „Ganz oft bei der Hausarbeit“, erfahre ich von einer Bloggerin. Und denke, dass dies durchaus ein Test wert ist. Doch die einzigen Gedanken, die mir beim Küchenputz dann so durch den Kopf gehen, sind: „Mist, bin ich so ein krasser Kühlschrankmessi“ und „ob so etwas behandelbar ist?“ und auch „ob mein Kühlschrankmessiproblem eventuell auch direkt zusammen mit meinem Beziehungsproblem mit Gegenständen geheilt werden kann?“ Echte Inspiration ist doch anders. Weniger Nervenarztmäßig. Meine ich zumindest. Eine andere Teilnehmerin meint: „Unter der Dusche! Da entspanne ich und mir kommen die schönsten Ideen“. „Ha“, denke ich. Und stelle mich unter die Dusche. Natürlich nicht während des Workshops, sondern erst danach. Auf dem Workshop gab es nämlich keine Dusche.
Unter der heimatlichen Dusche angekommen, merke ich, wie mich das warme Wasser entspannt. Ich shampooniere meine Haare und hoffe, dass nun die besten Ideen vor dem geistigen Auge auftauchen. Das einzige jedoch, was IN meinem Auge auftaucht, ist ein großer Klecks Shampoo. Ich schrecke zurück, stoße gegen den Wasserwärmeregler, das Wasser wird kochend heiß. Ich schreie auf, reiße den Regler herum und sorge idiotischer Weise dafür, dass nach kochend heißem nun eiskaltes Wasser auf mich einprasselt. Ich schreie abermals laut auf (im Nachhinein bin ich etwas entsetzt darüber, wie locker und unberührt meine Mitbewohner bleiben, wenn ihre liebste Mitbewohnerin im Bad mehrmals laut aufschreit!) und verlasse das Bad. Nein, ich bin nicht inspiriert. Nur verspannt, verbrannt und gleichzeitig unterkühlt. Muss man auch erst mal schaffen.
„Jeder holt sich seine Inspiration individuell woanders“, meint eine andere Teilnehmerin. Genauso, wie auch jeder andere Themen hat, für die er sich interessiert und über die er bloggt.“ Stimmt natürlich, wie überall gilt auch bei der Inspiration: Jeder muss seine eigenen Inspirationsquellen finden. Jeder ist anders. Und so schaue ich mich um, über was so geschrieben wird. Heidi, die neben mir sitzt, schreibt zum Beispiel über Yoga (ich nenne Sie inzwischen gerne Yoga-Heidi). Eine Workshop Teilnehmerin, die mir gegenüber sitzt und unglaublicher Weise auch Heidi heißt, schreibt über Kuchen. Das ist natürlich die Kuchen-Heidi. Ist ja klar. Und eine weitere Bloggerin schreibt über Schweine. Und wenn ich so an das Aussehen meines Kühlschrankinneren denke, diesen absoluten Saustall, so meine ich, könnte ich mich mit der Schweinebloggerin irgendwie zusammentun. Hmm…obwohl. Die Schweinebloggerin ist bestimmt auch auf Snapchat aktiv. Und das gibt’s nicht fürs Windowsphone!“
Ein Ächzen reißt mich aus meinen Tagträumen. „Mist, mein Akku vom iPhone ist schon wieder leer“ stöhnt ein Mädchen im blauen Kleid auf. Ein anderes Mädel mit hochgebundenen Haaren stimmt mit ein: „Oha nee, mein iPhone ist auch leer“. In diesem Moment bekomme ich eine Nachricht von einer Teilnehmerin, die bereits auf der Heimreise ist: „Mist, Ladegerät in Stuttgart vergessen und iPhone-Akku fast leer“.
Und so nehme ich mein Windowsphone in die Hand, schaue auf den Akkustand, der noch satte 40% anzeigt, tätschle es sanft und lächle.
Es lächelt zurück. Meine ich zumindest.
Denn es weiß: Ich kann ohne Snapchat. Aber ich kann nicht ohne Windi*.

*Spitzname meines Smartphones. Ja. Richtig gelesen. Das hat ´nen eigenen Spitznamen.