Vorglühen

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Da stehe ich so am Bügelbrett und denke nach.
Ich denke darüber nach, dass wir einfach schon wieder ein neues Jahr haben. Und – trotz diesem ganzen „Yeah-im-neuen-Jahr-wird-alles-so-super-genial“ Quatsch – möchte ich das letzte Jahr nicht einfach so an mir vorbeiziehen lassen. In dieser Zeit, wo wir einfach nur auf den nächsten Tag, das nächste Wochenende, die nächste Party oder das nächste Jahr hinfiebern, kann man doch ruhig mal innehalten und schauen, was man in der Vergangenheit so alles erreicht hat, welche Probleme man bewältigen konnte, welche Freunde man gefunden hat oder welchen Träumen man einen kleinen Schritt näher gekommen ist.
Und so bügele ich die Falten aus meiner dunkelgrünen Lieblingsbluse und strahle bei dem Gedanken an diese wunderbaren Zeiten in 2015. Wie zum Beispiel meine Reise ganz alleine, die ich, trotz gerissenem Koffer und gelöschtem Bankkonto, gemeistert habe. Ich werde von Stolz erfüllt, als mir bewusst wird, dass ich es geschafft habe, 2 Wochen ohne Kaffee zu überleben – ohne körperlichen und nur eingeschränkt geistigen Schaden zu erleiden. Ich habe in dem vergangenen Jahr gelernt, auch einmal „nein“ zu sagen. Auch wenn nur auf die Frage, ob ich so einen Kaffeeentzug nochmal auf mich nehmen würde. Ich schaffte es, mich in der heutigen Zeit zu orientieren – nur mit einem Windowsphone gewappnet – und habe die Geburtstagsparty von meinem Freund Nick trotzdem und nach nur einem halbstündigen Irrlauf durch Bad Cannstatt gefunden. In Cannstatt gibt’s echt tolle Ecken. Wusste ich vorher auch noch nicht. 2015 habe ich gelernt mit Verlusten umzugehen: Nein, Verbotene Liebe kommt nie wieder. Es wurde tatsächlich abgesetzt.
Und nicht zuletzt hatte ich Ende 2015 ein Silvester, dass sich endlich mal sehen lassen konnte. Ich wollte das Jahresende bei mir begehen, denn ich dachte: mich selbst durch Feuerwerkskörper zu entflammen, mich zu verlaufen oder dem Ex-Freund zu begegnen ist in meinen eigenen vier Wänden am unwahrscheinlichsten. Und so war ich bereits morgens voller Zuversicht, dass dieses Silvester wirklich mal ganz gut wird. Ich habe (wie es sich für das Ende des Jahres gehört) erst einmal aufgeräumt und ausgemistet, bin dabei in der hintersten Ecke eines Schrankes auf einen Raumduft gestoßen der bereits Mitte 2014 abgelaufen war und habe ihn – beim Versuch, ihn zu entsorgen – versehentlich in meiner Küche fallen gelassen. Es hat mich satte 3 Stunden Extrem-Lüftung so mitten im Winter und eine damit verbundene Identifikation mit einem Eiszapfen gekostet, diesen Duft (der im übrigen stark an ein illegal betriebenes, drittklassiges Bordell erinnerte) aus meiner Wohnung zu bekommen. Aber es war noch nicht offiziell Silvester, die Panne zählt also nicht. Und damit sich sowas in 2016 nicht wiederholt, hatte ich den ultimativen Programmpunkt für meine Gäste und mich entwickelt.
Ich hatte alle Silvesterbräuche aus allen möglichen Ländern herausgesucht und (tolerant wie ich nun mal bin) befohlen, dass wir alle Bräuche nach den entsprechenden Regeln durchführten. Denn, je mehr Glücksrituale man durchführt, desto eher sinkt das Risiko, 2016 versehentlich mit abgelaufenen Raumdüften seine eigene Wohnung zu verseuchen. Das sahen meine Gäste genauso, fingen ohne Wiederrede um Mitternacht mit dem ersten Brauch an, aßen (wie vorher von mir erläutert) 12 Trauben, im Takt, bis zum 12. Schlag und wünschten sich bei jeder Traube etwas. Ich war sehr entzückt, als ich sah, wie sich jeder explizit daran hielt. Etwas zu entzückt, so dass ich den Start der Traubenesserei einfach verpasste und deswegen gleich 8 Trauben auf einmal runterwürgen musste. Da ich aber auch eigentlich nur einen Wunsch hatte, zählt das trotzdem. Finde ich.
Auch die restlichen Traditionen haben wir glanzvoll durchgeführt. Auch ich. Trotz Bauchschmerzen. Denn ich vertrage keine Trauben. Das ist mir dann aber erst nach 12 wieder eingefallen.
Und wenn ich so darüber nachdenke, war das herumtragen eines Rosinenbrotes, das Walzertanzen, die Wunderkerzen, das Herumwedeln mit dem Glücksbambus,…ja, all das waren gleichzeitig auch unglaublich spaßige Programmpunkte, die nicht nur Glück bringen sollen, sondern auch..
…und dann kommt mir plötzlich ein Gedanke, während ich mein blaues Lieblingshandtuch bügele (ja, auch die sollten gebügelt werden!). Hatte ich es übertrieben mit den Glücksritualen an Silvester? Was, wenn ich jetzt zu viel Glück habe? Was, wenn mir 2016 alles gelingt? Was, wenn in diesem Jahr alles nur noch rund läuft? Worüber soll ich denn dann bitte noch schreiben?
Ich stelle mein Bügeleisen beiseite, nehme den Telefonhörer in die Hand und rufe meine Mutter an. „Johanna“ erklärt Sie mir „Auch Trauben und ein Walzertanz werden das Chaos in Deinem Leben sicher nicht komplett auslöschen. Man kann schließlich nicht einfach so aus seiner Haut.“
Ich kehre erleichtert zum Bügelbrett zurück.
„Meine Mama hat schließlich immer recht!“ strahle ich.
Und dann bemerke ich einen merkwürdigen Duft in der Wohnung. Aber gar nicht so nach Bordell, sondern eher nach etwas verschmorrtem.
Und ich erkenne, dass ich das Bügeleisen idealerweise auf meinem superflauschigen Lieblingsteppich abgestellt hatte.
Ich reiße das Bügeleisen von der Stelle des Teppichs, der inzwischen nur noch ein großes Loch aufweist.
„Oh ja“ seufze ich.
„Und wie meine Mama einfach immer recht hat!“


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Mit Geduld und Spucke…

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So. Schon wieder nähern wir uns dem Ende eines Jahres. Und schon wieder werden ringsherum Pläne für Silvester geschmiedet. Was zieht man an? Wo stößt man an? Wie feiert man? Und wie viel Aspirin wird vermutlich zur Bekämpfung des Folgekaters am 01.01. benötigt?
Fragen über Fragen…die ich mir schon gar nicht mehr stelle.
So wie bei den Italienern die rote Unterwäsche, bei den Chinesen das Ultra-Feuerwerk und bei den Spaniern die Trauben, so ist es bei mir Silvestertradition, dass alles – ja wirklich alles – schief läuft. Ganz egal, wie gut die Aussichten sind und wie detailliert die Pläne erfasst wurden.
Das begann bei mir schon ziemlich früh, denn jede Tradition braucht Ihren frühzeitigen Anfang. Der war bei mir, als ich – die 7-Jährige Johanna – an Silvester meine neue Lieblingsjacke anzog, um das tolle Feuerwerk anzuschauen, das mein Papa vorbereitet hatte. „Nimm‘ doch lieber eine alte Jacke, bei Dir weiß man nie Johanna!“ meinte Mama damals. Und nein, mit 7 Jahren wusste ich noch nicht, was für eine weise Frau Sie doch ist.
Also ging ich mit neuer Jacke nach draußen, half beim Anzünden des Feuerwerkskörpers, der in einer leeren Flasche senkrecht nach oben stand. Dann stieß ich beim Rückwärtslaufen die Flasche um, sodass der Feuerwerkskörper nun direkt auf mich zeigte. Und dann rannte ich. Um mein Leben. Leider nicht nach Links oder Rechts. Sondern schnurrschnacks geradeaus. Und da ich – unglaublicherweise – nicht schneller rennen als ein Feuerwerkskörper fliegen kann, zischte der Feuerwerkskörper auf mich zu. Meine neue Jacke wurde total verkokelt. Meine Begeisterung für Feuerwerk auch. Und ich habe bestimmt die erste Hälfte des neuen Jahres damit verbracht, über diesen Schock hinweg zu kommen.
Mit 16 dann, habe ich Silvester bei meiner besten Freundin Sophie in New York verbracht. DIE Traumstadt mit DER Traumfreundin in DEM Traumoutfit an DER Nacht überhaupt. Und wir feierten, wie es sich für einen Silvesterabend in New York gehört. Zunächst zuhause bei Raclette und Sekt, dann bei Freunden von Freunden, deren Freunde ein Appartement direkt an der Brooklinbridge besaßen, und dann wurden wir in einer Limousine durch die Straßen New Yorks gefahren. Und es hätte alles so schön sein können, wenn ich nicht – bei einem kurzen Halt – schnell und leise aus der Limousine herausgesprungen wäre, um nur kurz etwas frische Luft zu schnappen. Die frische Luft (sofern man in New York von frischer Luft sprechen kann) tat mir wirklich gut. Aber nur, bis ich merkte, dass ich leider etwas zu unauffällig ausgestiegen war. Die Limousine war weg. Meine Freundin Sophie auch. Mein Handy lag in Deutschland (und seien wir ehrlich – selbst wenn ich es mit in die USA genommen hätte, hätte ich es an diesem Abend sicherlich bereits verloren). Meine Vorahnung, nun das kommende Jahr auf New Yorks Straßen verbringen zu müssen, wurde immer klarer. Und als ich so im Nieselregen an einer unbekannten Straßenecke dastand und es genau Zwölf Uhr schlug, verfluchte ich Silvester erneut. Statt das neue Jahr ausgiebig zu begrüßen, stellte ich mir also vor, wie mein neues Leben in einer US-Straßengang wohl aussehen würde. Vielleicht lag es an meiner Glitzer-Tasche oder an meinem roten Nagellack. Aber irgendwie konnte ich es mir auch nach 10 Minuten nicht wirklich vorstellen. Das war aber nicht weiter schlimm, denn weitere 5 Minuten später fand mich meine Freundin Sophie wieder. Sie versprach: „Wir wollen uns nie, nie wieder verlieren!“.
Wir verloren und an diesem Abend noch ein paar mal, doch ich wurde nie Mitglied einer Straßengang und in Deutschland bin ich bekanntermaßen auch wieder angekommen.
Auf dieses Silvester folgten dann noch Neujahrsfeiereien, an denen ich Punkt Mitternacht vor einem überfüllten Club anstand. Und Feiern, an denen ich mich alleine Mitten in Kaiserslautern wiederfand, weil ich mich auf dem Weg von der einen zur anderen Party furchtbar verlaufen hatte. Dann gab es einen Silvesterabend, den ich gemütlich Zuhause verbrachte – und den Neujahrsbeginn einfach verschlief. Und dann gab es ein Silvester, den ich gezwungenermaßen mit meinem frischgebackenen Exfreund zwischen romantischem Kerzenlicht und leuchtend-buntem Feuerwerk verbringen musste. Zumindest mit dem Anzünden eines Feuerwerkskörpers wurde ich, seit dem 7. Lebensjahr, nicht mehr beauftragt.
Ja. Meine Silvester waren bisher eher wenig Vielversprechend und vielmehr chaotisch als elegant. Mein Freund Tobi behauptet sogar steif und fest: „So, wie man Silvesterabende verbringt, so erlebt man auch das kommende Jahr!“.
Wenn er damit recht hat, dann erklärt das zumindest, warum mir über’s Jahr verteilt so viel Chaos begegnet, warum bei mir so einiges schief läuft und warum ich von Januar bis Dezember nichts anderes tue, als durch Fettnäppfchen zu waten und Stolperfallen auszuweichen versuche.
„Johanna“, reißt mich meine Kollegin Corinna mitten in der Agentur aus meinen Gedanken. „Kannst Du Stefan mal einen Espresso in den Meetingraum bringen?“ „Bitte?“ denke ich nur empört. „Kann er seinen Espresso nicht selbst holen?“. Doch, weil ich eben ein herzensguter Mensch bin, drücke ich an der Kaffeemaschine auf „Espresso“ und transportiere das Getränk zum Meetingraum. Dort sitzt Stefan mit meiner Kollegin Sarah und scheint etwas zu besprechen. Ich reiche ihm den Espresso und rufe mit einem Grinsen in seine Richtung: „Ich hab‘ mal eben reingespuckt, ne!?“.
Im Meetingraum wird es still. Stefan grinst. Sarah reißt die Augen auf. Und Corinna – nun direkt hinter mir – flüstert mir zu: „Ähm, wir haben gerade Videokonferenz mit einem Kunden!“.
Ich drehe mich um und bemerke erst dann den großen Bildschirm mit Videoschaltung.
Okay.
Dieses Silvester.
Das muss jetzt wirklich mal gut werden!


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Von Pflanzen, die den Umrührer abgeben

 

2014 geht – 2015 kommt. Und wieder einmal habe ich meinen größten Vorsatz nicht in die Tat umgesetzt. Ziemlich ernüchternd so etwas, so dass ich wirklich ins Grübeln komme. Sollte ich das mit den Vorsätzen einfach lassen? Denn egal wie viele tolle Sachen passieren, so bleibt doch immer dieser eine, große Vorsatz in Leuchtschrift und mit Blink-Effekt, der dafür sorgt, dass Du dieses Jahr wieder einmal nicht ausreichend genutzt hast. Vergessen sind die Erfolge, die schönen Momente und die wunderbaren Ereignisse. Oder wähle ich meine Vorsätze etwa nicht passend genug aus? Sollte ich mich hierbei vielleicht von Freunden etwas lenken lassen?

Einen Vorsatz hätte ich dann schon mal, ganz frisch von Matthias erhalten. Er liest meine Kolumne (ja, unter Einfluss von unzähligen Espresso-Martini und Bier, hat er es mir gestanden). Und seiner Meinung nach, könnten die Themen in meiner Kolumne doch etwas männerlastiger werden. Verstehe. Trotz Gelalle und starkem Schwips. „Alles in allem viel zu viel Weiberkram“, das ist seine Meinung. Nun, das könnte daran liegen, dass ich Männerthemen ziemlich langweilig finde.
Pardon, für mich ist ein Auto dann ganz wunderbar, wenn es fährt und eine Heizung besitzt und ich meinen rosa Reisekoffer unterbringen kann. Für mich macht es keinen Unterschied, ob Männer einem runden, einem ovalen oder meinetwegen auch einem eckigen Ball hinterherrennen. Ich renne niemandem hinterher und bin damit auch immer ganz gut gefahren. Und ja, ich liebe meine Nike Air Max, aber auch nur, weil „Johanna“ vorne drauf steht. Und so würde ich Sie auch ohne Nike-Zeichen lieben. Zudem finde ich, dass Bier ungefähr so gut schmeckt wie Spühlmittel mit Kohlensäure und erst 2014 habe ich wirklich selbstständig einen Nagel in die Wand gehauen.
Das alles hat seinen Ursprung vielleicht darin, dass ich kein Mann, sondern eine Frau bin. Und damit ist Mädchenkram nun mal für mich essenziell. So komme ich zu dem Urteil, dass der Vorsatz einer männerlastigen Kolumne auch nicht das richtige für mich gewesen wäre.
Vielleicht sollte man einfach ganz aufhören, mit diesen Vorsätzen? Was für zahlreiche Dinge standen bitte Jahr für Jahr auf meinen Listen?
Weniger Online shoppen. Gut gemeint, schlecht gemacht. Besonders, wenn man die vielen Amazon- und Asos-Pakete sieht, die sich immer wieder in der Wohnung stapeln. Aber wenn ich diesen Pailletten-Blazer, den schwarzen Jumpsuit und die 4. Fellweste doch nun einfach mal brauchte!?
Oder der Vorsatz Regelmäßig Blumen gießen. Sinnvoller Vorsatz, denn ich neige dazu, meine Pflanzen effektiv umzubringen. Vielleicht hätte ich jedoch „regelmäßig“ genauer definieren sollen. Für mich waren die paar Tage, an denen ich die rosa Gieskanne tatsächlich genutzt habe, regelmäßig genug. Meine Pflanzen – mit Ihren braunen Blättern und verwelkten Blüten – sehen das offensichtlich anders.
Oder mein wichtiger Vorsatz Erst gut nachdenken, bevor gehandelt wirdAls ich mir die Kinderversion von Pippi Langstrumpf (statt der umfangreichen Version) auf Schwedisch gekauft hatte – im Hinblick darauf, dass mein Schwedisch noch wirklich ausbaufähig ist – dachte ich, dass ich diesen Vorsatz verinnerlicht hatte. Dann erblicke ich jedoch den 1-Meter-großen Kuscheltier-Hai, den ich als Weihnachtsgeschenk für meine Nichte fand. Er war so flauschig und so süß und so riesig. Kein Grund um zu verzweifeln, denkt Ihr? Immerhin bin ICH es, die dieses Ungetüm nun am 23. wie eine Idiotin auf der Zugfahrt in die Heimat mitschleppen darf. Und nicht ihr!
Und der letzte Vorsatz Löffel niemals mehr Umrührer nennen. Sorry, bei diesem Vorsatz muss ich betrunken gewesen sein, denn Umrührer klingt einfach viel charmanter als Löffel.

Ja, es ist ein bitteres Gefühl, wenn das Jahr zu Ende geht und man bemerkt, dass die Vorsätze nicht eingehalten wurden (außer der letzte Vorsatz natürlich). Andererseits….
…ja, andererseits, kann man die letzten Tage nochmal auskosten und voller inbrunst gegen die Vorsätze verstoßen, die man ja sowieso nicht eingehalten hat.
Und so klicke ich auf „Jetzt kaufen“, erlöse all die wunderhübschen Artikel aus meinem Asos-Warenkorb und schaffe etwas Platz in meinem Schrank. Dann vollbringe ich meine gute Tat für dieses Jahr (immerhin ein Vorsatz, der damit erfüllt wurde), schmeiße meine schwächelnden Pflanzen weg und gestatte meinen Mitbewohnern, den Platz in der Wohnung zu nutzen, den ich vorher für meinen Pflanzenfriedhof gebraucht hatte.
Und zu guter letzt freue ich mich auf die Zugfahrt in die Heimat.
Denn dann werde ich im Zug sitzen, mit meinem Reisebecher voll von heißer Schokolade, dem passenden Umrüher und dem Riesenhai, den ich gleichzeitig als Kissen und als Decke nutzen kann.
Ha!
UND IHR NICHT!

 

Und um Matthias noch seinen Wunsch zu erfüllen:
BIER – PLAYBOY – FUßBALL – SNEAKERS – PLAYSTATION

Das muss für 2014 als männerlastiges Material in meiner Kolumne langen.


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DER COUNTDOWN LÄUFT WIEDER!

 

Es ist ein Tag wie jeder andere. Für viele. Für mich nicht. Für mich ist mein Geburtstag der schönste Tag des ganzen Jahres. Auch Weihnachten und Ostern können nicht dagegen ankommen. Mein Geburtstag gehört nur mir alleine und an dem will ich einfach mal so richtig gefeiert werden, verdammt.
Am 7. Juni war es wieder soweit und für niemanden in meinem Umkreis kam dieses Ereignis überraschend. Zum einen, weil ich bereits einen Monat im Voraus nur noch Geburtstagsthemen auf den Tisch packe. Zum anderen, weil ich zeitnah (und nur zur Sicherheit) einen Geburtstags-Countdown erstelle, den ich jedes Jahr per Mail an einen ausgewählten Kreis sende. Einfach nur, damit ihn niemand vergisst: meinen Geburtstag.
Warum bist Du bitte so wild auf Deinen Geburtstag. Dabei bist Du doch schon so alt? fragt mich mein Mitbewohner Felix. Das “alt” habe ich einfach mal überhört. Die Thematik betrifft schließlich meinen Geburtstag. Aber trotzdem, eine wirkliche Antwort habe ich darauf nicht. Tatsächlich sind bisher einige meine Geburtstagsparty nicht so rosig abgelaufen, wie geplant.
Da erinnere ich mich zum Beispiel an das rosa Fahrrad mit weißem Korb und rosa Quietschklingel, das ich zum 7. Geburtstag um ca. 13 Uhr von Papa bekommen habe. Und ich erinnere mich an das gleiche rosa Fahrrad mit weißem Korb und rosa Quietschklingel, das ich um ca. 13:30 Uhr zu Schrott gefahren habe.
Oder es fällt mir mein Geburtstagskleid von Joop ein, das ich mit größter Fürsorge hegte und pflegte, bis ich mich an meinem 13. Geburtstag etwas zu sehr den schönen, hellen Geburtstagskerzen näherte. Chiffron-Kleider sind leicht entflammbar. Das weiß ich jetzt.
Oder es fällt mir die Klettertour ein, an dem die Hauptperson (ich natürlich) einen Stein auf den Kopf bekommen hat und nicht freudestrahlend, mit entsprechender Torte in der Hand, am Tisch –  sondern 4 Stunden mit Mama und Loch im Kopf in der Notaufnahme saß.
Nein, man kann nicht davon sprechen, dass meine Geburtstag bisher reibungslos abgelaufen sind. Trotzdem liebe ich jeden einzelnen.

Doch es ist nicht so, dass ich nur meine Geburtstage für etwas Besonderes halte. Genauso würdige ich auch andere. Dann oft sogar etwas mehr, als das Geburtstagskind selbst. So ziehe ich zum Geburtstag meines Mitbewohners Felix “Ichmachmirnixausgeburtstagen” Müller bereits um 5 Uhr morgens mein hübschestes Kleid an, blase alle Luftballons auf, verteile künstlerisch die Luftschlangen in der Küche, richte den Frühstückstisch, schreibe eine Geburtstagskarte, zünde die Kerzen an und schmeiße den zweiten Mitbewohner Tobi aus dem Bett (eindeutig die größte Herausforderung an diesem Morgen), um dem Geburtstagskind standesgemäß Happy Birthday und einen schönen Tag zu wünschen.
Ich freue mich.
Felix freut sich.
Tobi freut sich auch. Innerlich.
Find ich schön, dass Du auch andere Geburtstage so würdigst, meint Felix anerkennend.
Apropos Geburtstag!
Ich ziehe eine goldene Tiara und mein neues Leo-Kleid hervor. Denkt ihr das Outfit ist für meinen nächsten Geburtstag zu übertrieben?
Johanna, Du fängst jetzt nicht ernsthaft schon ein Jahr im voraus mit der Planung an?

Nein, natürlich nicht!

Die Handys meiner Mitbewohner piepsen.
Eine E-Mail:
“Dies ist ein automatischer Countdown. Nur noch 335 Tage bis zu Johannas Geburtstag!”

 


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POPCORN-POESIE

Helau, Alaaf oder was man sonst noch alles gröhlt, wenn man stark alkoholisiert im bunten Kostüm über die Biertische hopst. Genau, wir nähern uns der Faschingszeit! Eine Zeit, in der man in den Schaufenstern der Stadt eher grelle Outfits statt dezenten Chic zu sehen bekommt. Fasching ist laut, schrill und anstrengend. Klar, dass auch ich wieder mit von der Partie bin.
Aber was ist bloß das Besondere an dieser Zeit? Warum drehen in diesen Wochen alle durch? Und warum, zur Hölle, mache ich bei so etwas ständig mit und schmeiße mich – wie so viele andere – in die unterschiedlichsten Verkleidungen?
Jeder kann an einem Abend das sein, was er schon immer mal sein wollte! So lautet die Erklärung meiner faschingserprobten Freundin Regina und irgendwie klingt das absolut logisch. Dass ich mich vor zwei Jahren als Popcorn-Eimer verkleidet habe, lasse ich hier mal außer Acht. Bisher war mir nämlich noch nicht bekannt, dass ich tief im Inneren den Wunsch hege, einem aufgeplatzten Maiskorn zu gleichen. Sicherlich erhoffte ich mir durchaus schonmal die Existenz einer Superheldin oder die einer Zoodirektorin, aber wahrhaft nie die einer Kinoknabberei.
Wer will schon ein Popcorn sein?

Ob ich vielleicht dazu neige, die falschen Kostümierungen auszuwählen? Absolut, erklärt meine Schwester Anna. Offensichtlich leidet sie immer noch etwas darunter, dass ich ihr vor geraumer Zeit eine Faschingsparty ruiniert habe. Während meine Schwester sich damals, passend zum Motto Angst & Horror in ein thematisch sinnvolles Hexenoutfit schmiss, entschied ich mich für ein Kostüm, das mein pausbackiges Gesicht umschmeichelte. Ich wählte etwas zeitloses und klassisches. Etwas farbenfrohes. Und unter all diesen Hexen, Monstern und Vampiren, fühlte ich mich als einziger Marienkäfer auch pudelwohl. Anna fühlte sich nur peinlich berührt. Dass sich daran heute niemals mehr jemand erinnert, scheint für sie kein Trost zu sein.

Im Gegensatz zu mir hat Regina bereits eine geraume Auswahl an verschiedenen Kostümen getroffen, die für sie dieses Jahr in Frage kommen. Und so führt sie mir direkt gefühlt hundert Outfits und tausende von Haarstyling-Varianten vor. Ich selbst wähle kurz darauf auch mein Kostüm aus, diesmal darauf bedacht, was ein solches Kostüm aussagt: Etwas, was ich schon immer einmal sein wollte. Das Popcorn-Kostüm fällt dieses Jahr dementsprechend weg. Also richte ich meinen kunstvoll drapierten, dunklen Bob, quetsche mich in meine enge, knallgelbe High-Waist-Röhrenhose und setze meine viel zu große Retro-Brille auf. Etwas unkleidsam, das Ganze. Aber so sieht sie nun mal aus, die Karla Kolumna. Regina ist zufrieden, Anna erleichtert, dass ich mich nicht wieder als Marienkäfer präsentiere und beide nicken das Kostüm ab.
Tatsächlich schaffen wir es zu dritt in bester Laune zur Faschingsparty. Anna, Regina und ich. Mehrere Lady Gagas sitzen bereits zu Beginn betrunken in der Ecke, während ca. zehn Audrey Hepburnes wild auf den Tischen tanzen. Hier und da stolpert ein mehr oder weniger gut verkleideter Cowboy an uns vorbei und auch ABBA scheint an dieser Party wieder zu alter Form gefunden zu haben. Einer des ABBA-Quartetts stolpert auf uns zu, zeigt auf meine Schwester und lacht: Warst Du nicht damals mit diesem Marienkäfer auf der Horror-Party???
Anna wirft mir einen vernichtenden Blick zu.

Und da ist er plötzlich. Der dringende Wunsch, Popcorn zu sein!

 


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UND IMMER WIEDER HEITER SCHEITERN

Die Nacht der Nächte, in der sich alles ändern soll. Üppig bestückt sind sie ja meistens, diese Listen an Neujahrsvorsätzen. Und so sehr ich mich auch dafür schäme: Jedes Mal aufs Neue – sobald ich langsam die Aussicht auf ein neues Jahr erhalte – zücke ich meine To-Do – Liste und schreibe auf… naja… eigentlich alle Vorsätze, die es bereits im vergangenen Jahr auf die Liste geschafft haben. Und im Jahr davor. Und die aus dem Jahr davor auch.
Es scheint – auch wenn ich mir das nur schweren Herzens eingestehen kann – dass ich wohl noch nie einen Vorsatz voll und ganz in die Tat umgesetzt habe. Ich bin fast so kühn zu behaupten, dass bei mir die meisten Vorsätze bereits Ende Januar in die ewigen Jagdgründe verschwinden. Zusammen mit dem ein oder anderen Kleid, in das ich eigentlich – dank einiger kalorienreduzierenden Vorsätze – wieder hineinpassen wollte. Ich breche die Vorsätze immer wieder. Ich hab’s mir quasi einfach “johanngewöhnt”.

Aber so sind sie, diese mistigen Vorsätze: Elendige kleine Zukunftsfantasien, die bei mir den Eindruck erwecken, die Umsetzung sei ein Klacks. Wie üppige Anleitungen zu Hochsteckfrisuren. Und am Ende sieht’s doch nur aus, wie ein verwaistes Vogelnest!
Aber es sind nicht nur die Wiederholungstäter, die sich auf dieser Liste der unrealistischen Wahnvorstellungen wiederfinden. Denn auch wenn mein Geldbeutelinhalt sich scheinbar weigert dies zu glauben: Stetiges Wachstum ist das A und O. Deshalb kommt jedes Jahr ein Vorsatz hinzu, über den ich bereits bei der Formulierung weiß: “Hallo kleiner Vorsatz, auch Dich werde ich nun Jahr für Jahr wieder sehen.” Doch ich tu’ es trotzdem. Genau wie ich mir jeden Sommer mindestens eine Jodhpurhose zulege, obwohl mir doch schmerzlich bewusst ist, dass ich damit aussehe, wie eine Fünfjährige in einem zu großen Strampler. Ich habe bereits fünf (!) von dieser Hosensorte in meinem Schrank. Und genau wie die Ansammlung dieser zweifelhaften Sommerteile, vermehren sich auch meine Vorsätze.

Letztes Jahr hatte ich einen famosen Vorsatz, in dem sogar die minimale Hoffnung hatte, ihn durchzusetzen. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir nur noch Kleidungsstücke zu leisten, von denen ich bereits wusste, dass sie mir ganz hervorragend standen. Eben alle Teile, die etwas “johannmutiges” an sich hatten. Mit Mitte zwanzig hat man ja so einiges durch und weiß zumindest, worin man nicht ärmer, ungelenkiger oder blasser wirkt, als man sowieso schon ist. Also habe ich mich ganz bewusst dazu entschlossen, Kleidern, High-Waist-Röcken und Wedges den Vorrang zu geben und meinen Schrank nur noch mit Dingen zu bestücken, die bereits als besonders kleidsam “johannerkannt” wurden. Doch der Sommer kam, mit ihm die 5. Jodhpurhose. Und damit war dann auch dieser Vorsatz dahin.
Und wenn auch der einzige Vorsatz, den ich scheinbar verinnerlicht habe, lautet, Vorsätze nie einzuhalten, so komme ich doch nicht darum herum, für 2014 ein neues Highlight an Unerreichbarkeit hinzuzufügen. Also werde ich auch diesmal einen Vorsatz aussuchen. Ich weiß auch schon, wie mein neuer Vorsatz lauten wird:
Nie wieder Mischwörter aus Adjektiv und meinem eigenen Namen.
Denn das klingt einfach lächerlich.

 


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MAN KANN’S DOCH NOCHMAL NUTZEN!

Trotz der großen Herausforderung – die durchaus auch für mich bei der alljährlichen Geschenkesuche besteht – konnte ich den fortwährenden Vorschlag meines Vaters, Weihnachten ohne Geschenke zu feiern, bisher einfach noch nicht gut heißen. Ein Weihnachtsfest ohne diese kribbelige Aufregung? Diese Spannung, was mich wohl erwarten mag? Ohne die große Freude, wenn ich mein Geschenk dann endlich auspacken darf?
Ungeduldig rupfe ich dann immer das Geschenkpapier in kleine Fetzen, unter kritischen Blicken meiner Tante (“Das kann ein Anderer doch nochmal nutzen!”), bis ich dann endlich am geheimen Inhalt angekommen bin. Beim Blick auf das Geschenk, heißt es dann nur noch: Top oder Flop! Und jede Reaktion von mir, wird vom Schenker mit Argusaugen beobachtet.
Die komplette Harry-Potter-Büchersammlung? Eindeutig Top. Quietschrosa Nagellack mit der passenden Schweinchenrosa Nixon Armbanduhr, die ich vor zwei Jahren von meiner Tante feierlich erhielt? Hier waren schon schauspielerische Höchstleistungen gefragt, um meine angebliche Freude über dieses rosa Ensemble möglichst realitätsgetreu darstellen zu können. Auch ich will ja niemanden enttäuschen. Und gerade wenn es um meine Tante geht, die sich beim Schenken immer alle Mühe gibt, kann ich unmöglich darauf hinweisen, dass mir rosa in etwa so gut steht wie Tierprintleggings und bauchfreie Tops. Nämlich gar nicht.

Aber so geheuchelt ist meine Freude inzwischen gar nicht mehr. Selbst wenn ich gespielt (und zugegeben, etwas übertrieben) säusele: „Ohhhh, wie hüüüübsch!“. Anfangs sah ich in einem solchen Geschenk noch eine Enttäuschung. Eben etwas, was zusammen mit anderen unbrauchbaren Dingen, wie meiner Jahreskarte fürs Fitnessstudio, elendig verstauben wird. Inzwischen aber, sehe ich darin eine gekonnte Aufbesserung meines, eher dürftig bestückten, Geldbeutels. Was mir nicht steht, hat sich so manch anderes Mädchen sicherlich schon lange gewünscht!
Und so stelle ich die Armbanduhr schnellstens in meinen virtuellen Kleiderschrank, um einer anderen Person das Glück zu beschehren, genau diese rosa Uhr ergattern zu können. An andere zu denken ist doch auch der Sinn von Weihnachten! Deswegen bin ich mir ganz sicher: Unnütze Geschenke wieder zu verkaufen – daran ist so gar nichts Verwerfliches!

Doch manchmal klappt’s auch mit dem Beschenken. Gerade erst im letzten Jahr hat meine Tante ein brilliantes Päckchen ausgewickelt, natürlich ihrem Naturell entsprechend, besonders vorsichtig. “Das Geschenkpapier(eine grenzwertige Geschmacksverirrung aus Gold, Silber und Rot) kann ein Anderer doch nochmal nutzen!”, musste sie mich natürlich nochmal auf die Relevanz von Nachhaltigkeit hinweisen.
In Ihrem Paket steckte ein nagelneuer Tablet PC! Meine Tante hat sich darüber sichtlich gefreut (vermute ich zumindest, denn eine gute Schauspielerin war sie nie) und nachdem sie verstanden hat, was das Teil alles kann (“Ist das ein Fernseher?”), fing sie direkt an zu surfen. Dabei strahlte Sie mit ihrem viel zu hell eingestellten Bildschirm um die Wette.
Klar, dass ich in diesem Moment voller Hoffnung war, auch solch entzückenden Inhalt in meinem Päckchen vorzufinden. Also blieb mir nur, mein Paket zu suchen. Und während ich besonders vorsichtig mein Paket öffnete, aus Rücksicht auf die Nerven meiner Tante, wurde es plötzlich ganz still im Raum.
“Johanna, ist das da meine rosa Nixon Uhr, auf der Mädchenflohmarkt-Seite?”
Ups.
Naja, ich dachte, die kann ein Anderer doch nochmal nutzen!

 


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MEHR PIRATEN BRAUCHT DAS LAND!

“Ooooch, wie ein Pralinée”, dies ist wohl der Lieblingsausruf meiner Mutter, wenn sie mich an Silvesterabenden sieht. Es ist einfach DER Abend im Jahr, an dem in Sachen Mode fast alles erlaubt ist. Übertreibungen? Gibt’s hier nicht. Die Kombination von Pink und rot? Silber zu Gold und dazu noch die ein oder anderen Glitzersteinchen? Extra-Mini-Kleid zu Extra-Maxi-High-Heels?
All diese “No-Gos”, die ich während des Jahres mit Müh’ und Not umschiffen will, habe ich bereits an den letzten Silvesterabenden komplett ausgeschöpft. Und auch meine Freundinnen zeigen sich an solch einem Abend stetig unerschrocken mutig. Ob Glitzerkleid mit Schimmer-Make-Up und Glitter-Clutch, oder Ledermini zu Overknees. Auf einer ordentlichen Silvesterparty findet wirklich alles zusammen. Man wird unbeschreiblich mutig und trägt das, wonach einem der Sinn steht. Im Alltag leider, wird’s dann schon nicht mehr ganz so mutig und selbstbewusst. So ist das Schicksal meiner tollen Schnürschuhe leider kein Einzelfall. Diese tollen und hinreißenden Budapester aus Leder, die ich bereits beim ersten Anblick in mein Herz geschlossen, gekauft und angezogen habe. Doch dann begegnete ich meiner Mutter. “Ahhh ja, DIE Schuhe findest Du an Dir gelungen?”. Seit diesem Tag befinden sich meine beiden Schmuckstücke in meinem virtuellen Kleiderschrank, frei zum Verkauf.
Lina, aus unserem Concierge Service, ist immer erstaunt, was für nahezu ungetragene Sachen ich da immer zum Verkauf anschleppe. “Warum verkaufst Du das bitte alles?”, fragt sie dann. Die Antwort ist ganz einfach: Ich lasse mich einfach zu schnell von anderen verunsichern. Leider. Und Lina akzeptiert das, stellt brav einen Artikel nach dem anderen online und schüttelt dabei stetig verwundert den Kopf.

Aber ist es nicht ein Trauerspiel, dass man sich meist nur an diesem einen Abend des Jahres von seinen eigenen modischen Gelüsten leiten lässt und man seinen stilistischen Instinkten nahezu nichts zutraut? Auch neben Silvester sollte man sein ganz eigenes Ding durchziehen. Deswegen rufe ich mich fortan selbst dazu auf: Mehr Mut, mehr Eigensinn, mehr Auffallen!
Um als gutes Beispiel voran zu gehen (mache ich ja sonst nie) habe ich mir nun auch einen lange gehegten Traum erfüllt. Ein – wie ich finde – wunderbar fabelhaftes Denim-Latzkleid hat meine Kleiderfamilie bereichert und wird von mir auch sogleich ins Office ausgeführt. Natürlich muss ich nicht lange auf Kommentare warten Ich bin etwas verwundert, von “wunderbar” bis “herzallerliebst” ist diesmal alles positive dabei, was der Wortschatz so hergibt. Da scheint man einmal andere Meinungen nicht mehr berücksichtigen zu wollen, schon wird der eigene Mut belohnt! Seht Ihr!?
Umso beschwingter tippele ich nach der Arbeit nachhause und tänzele entzückt durch meine WG.
Nie wieder werde ich auf eigenwillige modische Kreationen verzichten! Nie wieder lasse ich mir meinen Geschmack durch andere Meinungen verderben! Nie wieder warte ich bis Silvester, um neu zu kombinieren und gewagte Schnitte vorzuzeigen!
Ich fühle mich auf einmal so mutig, fast wie ein Pirat. Naja, ein modisch-fortschrittlicher Pirat. Und in meiner Piratenlaune hopse ich zur Küche. Dort steht Anne, die Freundin meines Mitbewohners: “Johanna, ein Latzkleid? SOWAS gefällt Dir?”

Lina, ich hab’ da wieder was für den Concierge Service!

 


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WEIHNACHTLICHE GESCHWISTERLIEBE

Ich schaue in den Spiegel und stelle fest: Es ist bald Weihnachten! Woran ich das festmache? Auf jeden Fall mal nicht an dem ganzen Weihnachtsgebäck in den Supermärkten, die stehen schließlich inzwischen schon ab Juli griffbereit. Ich merke es vielmehr an dieser extreme Blässe meines Spiegelbildes, die man schon nicht mehr als “vornehm” bezeichnen kann. Die Beschreibung “leicht kränkelnd” passt da schon eher. Eben jene Blässe ist immer ein untrügliches Zeichen dafür, dass mir der Sommer schon seit längerem den Rücken gekehrt hat.

Weihnachten also. Der Segen einer Großfamilie wird in dieser Zeit zum reinen Hindernislauf. Familienfeste, Essen ohne Unterlass und nicht zuletzt der Geschenkewahnsinn, denn ich muss für jede meiner Schwestern (und das sind viele) das passende Geschenk finden. Aber noch nicht einmal die bevorstehende Geschenkesuche macht mir so sehr zu schaffen, wie die große Frage aller Fragen: In welche feinen Stoffe und Schnitte soll ich mich dieses Jahr zu Weihnachten hüllen?

Das mag jetzt sehr oberflächlich und eitel erscheinen, aber nur für Jene, denen meine Weihnachtshistorie unbekannt ist. Zu dieser feierlichen Gelegenheit gab es bei mir nämlich schon zahlreich sehr traurige, unglaublich grenzwertige Fehlgriffe in Sachen Outfit – und davon gibt es natürlich reichlich Bildmaterial. Meine Schwester Martha ist mit ihrer Kamera an Weihnachten aber auch immer zur falschen Zeit am falschen Ort und knippst unermüdlich jeden Weihnachtslook, den ich offensichtlich im Dunkeln und im Halbschlaf herausgesucht hatte. Anders ist dieses optische Desaster niemals zu entschuldigen!

Marthas fatale Bilder werden dann sogleich in familieneigenen Weihnachtsalben veröffentlicht und herumgereicht. Das Recht am eigenen Bild? Meiner Familie gänzlich unbekannt! Wenn man in diesen “Weihnachtsalben des Grauens” (wie ich sie liebevoll nenne) blättert, sieht man zum Beispiel Weihnachten 2009: “Johanna, neben dem Christbaum, im unvorteilhaften, goldenen Ballonkleid mit Pailletten.” Ob es sich bei diesem glänzenden Etwas wirklich um mich oder nicht etwa um eine verirrte, leicht zu groß geratene Weihnachtskugel handelt, ist da nicht so recht zu erkennen. Gruseliger ist da schon Weihnachten 2011: „Johanna am Esstisch in hellrosa Rollkragenpullover, beiger Röhrenhose und High-heels in pudrigem Rosé.“ Klar, ein Traumoutfit, wenn man, gesund gebräunt, abends durch Sizilien bummelt. Ein Albtraum jedoch, wenn man sich leichenblass direkt neben den fetten, gebeizten, hellrosa-schimmenden Lachs platziert, der an diesem Abend mein potentieller Zwilling hätte sein können.
Wie man es dreht und wendet: Zu keinem der Outfits wurde ich gezwungen und auch nicht für das Tragen bezahlt. Auch eine Wette habe ich nicht verloren. Ich hatte einfach scheinbar in besagten Jahren nicht wirklich Zeit, mein Outfit in Ruhe zu überdenken. Aber es ist auch nicht so einfach, mit dem perfekten Weihnachtslook! Man will allem gerecht werden. Der lieben Omi, die das brave, kleine Enkelchen erwartet. Den Schwestern, die sich richtig in Schale schmeißen und man optisch natürlich nicht hinten anstehen möchte. Dem Hund, der (warum auch immer) auf alle Grüntöne höchst aggressiv reagiert (das erklärt auch den überfüllten und übertrieben dekorierten Christbaum jedes Jahr). Sich selbst und nicht zuletzt: Der Tatsache, dass Weihnachten etwas besonderes ist und man dies durch sein Äußeres honorieren möchte.

Doch dieses Jahr werde ich wohl bewusst zu etwas dezenterem greifen, das auch neben Weihnachten und Fasching vorzeigbar ist. Ich werde versuchen, weder als Weihnachtsdeko noch als eineiiger Zwilling einer besonders unattraktiven Festtagsspeise zu erscheinen. Wie genau mein perfektes Weihnachtsoutfit in diesem Jahr aussehen wird? Das kann ich leider noch nicht sagen. Aber das perfekte Weihnachtsgeschenk für ein Familienmitglied, das habe ich bereits gefunden! Und wenn dann meine Schwester Martha unterm Baum das einzigartige, goldene Ballonkleid mit Pailletten von Weihnachten 2009 unterm Baum hervorzieht, dann werde ich direkt lauthals um eine Modenschau bitten. Und die Kamera halte ich dabei immer griffbereit. Weihnachtsalbum 2013, Du wirst dieses Jahr wunderbar prall gefüllt sein, meine Familie wird sich noch bis Ostern köstlich amüsieren und mir bleibt nichts anderes zu sagen als:
„Frohe Weihnachten, Schwesterlein!“

 


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