Wie ich quasi schon auf das Licht zulief – Schlüssellos unterwegs Teil 2

Ein Frühlingsfest, eine Johanna, eine gesperrte EC-Karte, ein fast leerer Handy Akku und ein Haustürschlüssel, der noch zuhause lag: Es gibt Abende, da passt einfach alles. Manchmal eben nur nicht so, wie man das gerne hätte. Und doch glaubte ich zu dieser Stunde noch an das Glück in all diesem Unglücken. Das Glück kam auch – nämlich in Form einer Nachricht von meinem Mitbewohner direkt auf mein Handy: „Ich bin daheim, bin extra mit dem Taxi gefahren. Du kannst also jetzt wieder nachhause kommen.“
Ich war erleichtert, dass ich die Nacht offensichtlich doch in meinen eigenen vier Wänden verbringen durfte.
„Du kommst jetzt also wieder rein?“ hakte Corinna nach. „Klar“, strahlte ich bis über beide Ohren. Und so trat ich die Heimreise an und stand bereits nach kurzer Zeit mit piepsendem Handy, das inzwischen den Warnhinweis „Bitte laden Sie den Akku auf“ anzeigte, vor meiner Tür.
Ich klingelte. Einmal. Zweimal. Zwanzigmal.
Nach ca. einer Viertelstunde zweifelte ich langsam daran, dass mir mein Mitbewohner tatsächlich nochmal die Haustür aufmacht und begann mich zu fragen: „Was mache ich jetzt bloß? So ohne Geld? Und ohne Schlüssel?“
Ich kam zu dem Entschluss, dass mir in dieser Situation nur eines helfen kann: bitterliches Weinen. Und so tat ich das. Offenbar so dramatisch und Geräusch-intensiv, dass mich ein Bewohner des Hauses hörte. Er machte auf und ließ mich – nämlich eine schluchzende Person mit weißem Kunstfellmantel und einem riesigen Blumenkranz auf dem Kopf – ins Haus hinein. Im Nachhinein betrachtet ziemlich schockierend, wen oder was die Nachbarn da einfach so (ohne groß Fragen zu stellen) ins Haus lassen. Aber gut – ins Treppenhaus hatte ich es geschafft. Und versuchte nun zunächst meine eigene Haustür aufzutreten. Es sah wahrscheinlich relativ unelegant aus, wie ich da immer wieder gegen die Tür hüpfte…und ich trotzdem nichts erreichte, außer einen blauen Fleck am Knöchel und die Gewissheit, keine gute Kriminelle abgeben zu können.
Mein Handy piepste erneut und deutete an, dass es jede Sekunde ausgehen würde. Also nutzte ich die letzte verbleibende Möglichkeit, rief den Schlüsselnotdienst an, schrie meine Adresse in mein Handy – bevor sich das Gerät von selbst abschaltete – und hoffte, dass der Schlüsselnotdienst sich meine Adresse und meinen Ernst der Lage rechtzeitig notieren konnte. Ja, ich hoffte auf den Retter in der Not – der sich dann nach 15 Minuten in Form eines Schlüsselnotdienstmannes zeigte.
Ich jubilierte und freute mich über diesen Retter in der Not. Das jubilieren ließ nach, als dieser Retter erklärte, dass er über 400€ für das Öffnen der Tür verlangen musste. „Über 400€???“ rief ich und ergänzte – natürlich ohne zu dramatisch zu werden – „Dann möchte ich lieber, dass die Tür verschlossen bleibt. Bitte lassen Sie mich einfach hier sterben. Vor meiner Haustür. Allein und ohne Handy. Und so ganz ohne etwas Essbares“ Ich schluchzte noch ein bisschen, denn das passte so herrlich gut zu meiner aktuellen, höchst dramatischen Lage. „Ich kann Sie hier doch nicht einfach sitzen lassen!“ erklärte der Schlüsselnotdienstmann. „Doch, das können Sie“ meinte ich. „Sie können einfach gehen. Ich komm schon klar. Vielleicht überlebe ich es nicht, ich werde eventuell hier draußen verhungern. Aber jeder hat ja bekanntlich sein Päckchen zu tragen.“
„Ooooookay“ rief der Schlüsselnotdienstmann, fluchte leise und tippte in sein Gerät alle Rabatte ein, die man so von einem Schlüsselnotdienstmann bekommen konnte. Und nachdem ich also im Schlüsselnotdienstmannsystem als „Minderjähriger schwerbehinderter Student“ hinterlegt wurde, waren die Kosten gleich nur noch halb so hoch.
„Super, dann öffnen Sie jetzt die Tür“ drängelte ich und wurde innerhalb 10 Sekunden in meine Wohnung gelassen. 10 Sekunden. Ganz ehrlich, diese Einbrecher-Skills sollte ich mir für den nächsten Ausflug ohne Haustürschlüssel mal zeigen lassen.
Und so war ich wieder zuhause. Und fand meinen Mitbewohner. Seelig ruhig schlafend in seinem Bett!!!Ich knallte wütend seine Zimmertür zu – worauf er es trotzdem wagte, einfach weiter zu schlafen.

„Oh Johanna, ich kann mir vorstellen, wie sehr Du Deinen Mitbewohner das noch spüren lässt, dass er Dich nicht gehört hat“, meint mein Cousin Philip am nächsten Morgen bei einem Spaziergang durch die Wilhelma, nachdem ich ihm alles erzählt hatte.
„Zu recht“ entgegne ich und schmiede bereits Rachepläne.
„Du weißt aber schon, dass es eigentlich DEINE Schuld war!?“ fragt er. „Ich meine, DU hast den Schlüssel vergessen, DU hattest den Akku des Handys nicht richtig geladen. DU hast die PIN Deiner EC-Karte falsch eingegeben. Und DU hast Dein letztes Geld für einen Blumenkranz für die Haare ausgegeben.“
„Du kannst das ja gar nicht verstehen…wie das so ist. Wenn man vor der Tür steht. Ohne Essen. Ohne Trinken. Das Leben zieht an einem vorbei. Und der Mitbewohner hört einen einfach nicht“ schluchze ich.
Philip lacht: „Ach Johanna, wir wissen doch beide, dass Du manchmal gerne alles etwas dramatisierst. Gerade wenn Du nichts zu essen bei Dir hast.
„Auch ohne Essen – Ich dramatisiere NIE etwas“ rufe ich empört und schmeiße mein Eis, das mit Philip gerade erst ausgegeben hat, wütend auf den Boden.
Und dann kommen mir die Tränen.
Denn der Weg war noch weit, bis nachhause.
Und so ganz ohne Eis würde ich sicherlich elendig verhungern.
Das ist mal sicher.

 


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No time, baby – Schlüssellos unterwegs Teil 1

Ein einziger Tag kann so viele Überraschungen für Dich bereithalten. Du kannst zum Beispiel ganz unerwartet einen Heiratsantrag bekommen (wenn Du Dich davor bereits in einer Beziehung befindest, erhöht das die Chancen enorm). Du kannst an einem Tag auch plötzlich im Lotto gewinnen (dazu dann am besten Lotto spielen). Die wirklich überraschenden Wendungen nimmt der Tag aber erst an, wenn Du Deinen Haustürschlüssel zum ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt zuhause liegen lässt. Ganz ehrlich. Habe es ausprobiert. Erst letzte Woche.
Herausgefunden, dass sich der Schlüssel nicht wie gewohnt in meiner Tasche sondern noch auf der heimischen Kommode befindet, habe ich es erst, als der Freitägliche Feierabend bereits kurz bevor stand. „Ein Glück habe ich noch zwei Mitbewohner mit Schlüssel und dem Hang, immer vor mir zuhause zu sein“ freute ich mich und hielt mich für einen riesigen Glückspilz. Das war kurz bevor mir mein Händchen für das besondere Timing wieder einfiel – und damit die Tatsache, dass der eine Mitbewohner ausgerechnet an diesem Wochenende bereits am Bodensee residierte. Auch Mitbewohner zwei war bereits lange im Feierabend und hopste glücklich und zufrieden in einem Zelt auf einer Bierbank auf dem Frühlingsfest umher.
„Ist ja super“, jammerte ich und sah mich selbst ebenfalls auf- und ab hopsen. Nämlich um eine offene Feuerstelle auf einem Stuttgarter Schrottplatz. Mit diesen Handschuhen, die nur die Hälfte der Finger bedecken. („Wo bekommt man die eigentlich her?“)
„Ist doch suuuper“, grinste meine Freundin Corinna – die offensichtlich den Ernst meiner Lage noch nicht so ganz begriffen hatte. „Dann hast Du doch jetzt jeden Grund mit mir und meinen Freunden aufs Frühlingsfest zu gehen.“ Sie reichte mir ein goldenes Bändchen für ein Frühlingsfest-Zelt und meinte: „Komm dann einfach nach!“.
Und Sie hatte ja irgendwie Recht. Ich war mir ziemlich sicher: Sich auf dem Frühlingsfest im warmen Zelt mit Freunden zuzuprosten und die Zeit, bis ich wieder in die Wohnung kam, mit Schunkeln zu verbringen, das klang doch irgendwie verlockender, als die Sache mit der offenen Feuerstelle.
Ich war wieder happy – bis mir diese eine Sache mit meinem furchtbaren Timing wieder einfiel…nämlich als es sich in der Kaffeemaschine widerspiegelte: Das wohl denkbar schlechteste Frühlingsfest-Outfit, das ich für diesen Tag gewählt hatte. Ein weißes Kleid, die unbequemsten Schuhe, eine riesige Handtasche – die fast schon als Reisetasche durchgehen könnte – und zu guter Letzt (als wäre das nicht schon genug) trug ich meinen riesigen, empfindlichen, weißen Kunstfellmantel.
„Ist doch gar nicht schlimm, SO auf das Frühlingsfest zu gehen“, sprachen die Worte einer Kollegin. Ihr auf mich gerichteter Zeigefinger und ihr beherztes, lautes Lachen sprachen jedoch eine andere Sprache. Und so trottete ich, so unpassend gekleidet, Richtung Wasengelände und fragte mich, was ich tun könnte, um meine Situation etwas zu verbessern.
Ich lief in den nächsten H&M, legte mein letztes Bargeld für einen übergroßen Blumenkranz hin und band ihn mir ins Haar. In dem hintersten Eck meiner riesigen Tasche fand ich noch einen Lipliner, den ich kurzerhand als Lippenstift missbrauchte.
Ich war zufrieden. Ich sah nun nur noch zu 95% unpassend für ein Festtagszelt aus. Auch wenn man über die Kombi von Blumenkranz und Kunstfellmantel hätte streiten können. Im Frühlingsfestzelt angekommen stand ich dann da. Zwischen Maßkrügen, Dirndln und Lederhosen. Ich – mit meinen Kunstblumen im Haar und dem riesen Mantel – und machte einfach das Beste daraus. Ich schunkelte drauf los und genoss die erste Maß Weinschorle in kürzester Zeit. „Ich muss aber noch an den Geldautomaten, bisschen Bargeld holen“ rief ich Corinna zu. „Aber das mach ich einfach, wenn ich ausgetrunken habe“. Oh ja, da war es wieder – dieses unglaublich schlechte Timing. Denn hätte ich das Bargeld direkt geholt – bevor ich einen Liter Weißweinschorle in meinen Körper einflößte – so hätte ich vermutlich spätestens beim 2. Mal den korrekten Pin meiner EC-Karte eingegeben. So aber habe ich 3 Mal die falsche Zahlenkombination gewählt und die Karte wurde gesperrt.
„Kein Bargeld UND kein Haustürschlüssel“, seufzte ich Corinna zu. Und mein Handy piepste passenderweise bedrohlich. „Achja. Und mein Akku ist auch gleich leer!“. Ja. Mieses Timing und so.
In diesem Moment läuft mir ein attraktiver Lederhosenträger über den Weg. Er lächelt mich an und meint: „Ganz ehrlich: Das weiße Kleid und der Blumenkranz im Haar. Das sieht so toll aus. Und damit stichst Du absolut aus der Masse hervor“.
Ich erröte und freue mich über das Kompliment, als er weiter erklärt: „Wenn ich nicht schwul wäre…“
Okay. Was ist nur los mit diesem Tag?
„Wie lange stehst Du schon auf Männer?“ frage ich Ihn.
„Ähm…schon ewig lang, wieso?“ fragt er mich irritiert.
„Ach, nur so“ freue ich mich, erleichtert darüber, dass er nicht erst heute beschlossen hat schwul zu sein.
Diesmal liegt es nicht an meinem schlechten Timing.
Ich lachte.
Drehe mich selbstbewusst um.
Genau in dieser Sekunde, als eine Bedienung mit einem Tablett voller halber Hähnchen an mir vorbei läuft.
Das Geschirr klirrt.
Sag ich doch die ganze Zeit. Mieses Timing!

 


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Und dann ist da noch…Yoga mit Heidi & Elena

Yoga. Für mich ein bisher doch sehr unerforschtes und unbekanntes Gebiet, um das ich einen großen Bogen gemacht habe. All die Über-Yogis mit Ihren langgestreckten, biegsamen Körpern, die gleichzeitig eine solche Eleganz und Ruhe ausstrahlen… Nö, so sehe ich beim Sport definitiv nicht aus. Schon gar nicht, wenn mein rechter Fuß hinter meinem linken Ohr liegt.
Durch einen Blogger-Workshop habe ich dann Heidi kennengelernt. Ein Yogi, die es direkt (und über Ihren Blog „Kurmasana“) schaffte, mich mitzureißen und zu denken: „Vielleicht sollte ich das mit dem kunstvollen Verbiegen doch mal testen!“
Was für ein Glück, dass Heidi – zusammen mit Ihrer gleichgesinnten Freundin Elena – jeden Freitag im Wechsel den Kurs „Power Vinyasa“ im Mamaspa anbietet.


Und so ließ ich es mir nicht nehmen und besuchte vergangenen Freitag den Kurs von Elena. Ich gelangte in einen gemütlichen Vorraum, der schon ein bisschen Yoga-Stimmung vermittelte. Ich war ziemlich spät dran, aber Elena war sehr gelassen und entspannt und wartete ohne zu murren ab, bis ich mich endlich in meine Sportkleider geschmissen und mir eine Yoga-Matte geschnappt hatte. Da ich nun mal immer relativ spät dran bin, war ich gleich positiv beeindruckt von so viel Gelassenheit. Noch beeindruckter war ich, als uns – zu unseren Yoga-Matten – auch noch Decken, Kissen und Augenkissen gereicht wurden. Das alles sah einfach so unglaublich gemütlich aus und erweckte bei mir sofort verzückte Erinnerungen an mein Bett und an ein ausgedehntes Schläfchen.


Doch wer nun denkt (und ja, ich muss zugeben, ich dachte daran) dass nun 75 Minuten Tiefschlaf folgen würden, der irrt. Denn die Übungen, die Elena mit uns gemacht hat, hatten es in sich, ohne aber zu überfordern oder zu irritieren. Und auch, wenn Sie vorgab: „Nun das Bein gerade nach oben strecken“ und man sich heimlich fragte: „Welche Gelenke muss ich aushebeln können, um dieses Bein nun in dieser Position nach oben zu bekommen?“ kam man sich doch nie doof vor. Vielleicht, weil man in dem Moment viel zu sehr in die Yoga-Welt abgetaucht ist. Oder weil gar keine Zeit blieb, sich selbst und seine Ungelenkigkeit zu hinterfragen: Die ganzen 75 Minuten glitten dahin, in einer ausgewogenen Mischung aus Anspannung und Entspannung.Und was während des Kurses seinen Anfang fand, hatte mich nach dem Kurs voll und ganz eingeholt: Gelassenheit, Zufriedenheit und der Muskelkater, der auch nicht zu verachten war.
Und jetzt sitze ich hier, schreibe diesen Bericht über den Kurs bei Elena, den ich wärmstens empfehlen kann und freue mich, auch mal ein Stündchen bei Heidi auszuprobieren. Und muss doch kurz einmal raus, an die frische Luft, ab in die Kälte.
Denn es hat mich gepackt: Das Yoga-Fieber.

 

 

Für wen?  Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene
Kosten?    Drop-In: 10€ / 10er-Karte: 90€
Wo?           Yoga Love (Mamaspa), Augustenstraße 2, Stuttgart
Wann?      Jeden Freitag, 18:30 – 19:45 Uhr

Weitere Infos gibt es über www.lightbomb.de oder über www.kurmasana.de

Blendend ausgeblendet

Schon früh habe ich angefangen, den passenden Sport für mich zu finden. Bereits mit 4 stand ich im Ballettunterricht. Selbstverständlich war ich mit meinen kurzen Haaren und meinen schokoladenbelasteten Speckbeinchen nicht gerade prädestiniert dafür, einmal als Tänzerin groß rauszukommen. Groß wurde ich ja bekanntlich nie. Und Balletttänzerin wurde ich auch nicht. Das blaue Tutu, der weiße, fließende Rock, die rosa Spitzenschuhe und die weißen Ballettschühchen. All das Equipment sah unvergleichlich bezaubernd aus. Und verlor gleichzeitig so dermaßen an Anmut, sobald ich drinsteckte, sodass ich nach ein paar Jahren harten Trainings den Ballettschuh an den Nagel hängte. „Werd‘ doch Funkenmariechen“, schlug mein Opa damals entzückt vor, als ich am Mittagstisch mit meiner Mama darüber nachdachte, welcher Sport für mich der richtige sein könnte. Wer nicht ins Balletttraining passt, der passt auch ziemlich sicher nicht in die Garde – auf diesen Gedanken hätte man schon kommen können. Nicht aber mein Opa, der stolze Präsident vom Karnevalsverein meiner Heimatstadt. Und auch nicht ich, der größte kleine Fan meines Opas. Und auch nicht meine Mama, die sich freute, dass ich überhaupt Ambitionen zeigte, einen weiteren Sport auszuprobieren. Außerdem ist meine Mama noch heute der größte Fan von mir. Das wissen aber nur Sie und ich. Gesagt hat Sie es zwar nie, aber man sieht’s in Ihrem Blick.

Und so stolzierte ich, gemeinsam mit einer damaligen Freundin  dank meiner Überredungskünste („Du kommst mit oder ich rede nicht mehr mit Dir“) ins Gardetraining. Das Training ging eine Stunde. Ich beschloss bereits nach 40 Minuten das Thema Garde doch den anderen Mädchen zu überlassen und mir einen alternativen Sport zu suchen. „Spiel doch mal Tennis!“ motivierte mich meine älteste Schwester Maria. Sie selbst spielte Tennis und ich musste schon zugeben, dass Sie in Ihren Sportsachen auf dem Tennisfeld, mit dem großen Schläger, unglaublich sportlich aussah. Was ich damals noch nicht wirklich begriff: Im Gegensatz zu mir war Sie auch sportlich. Für mich stand jedoch fest: Ich spiele Tennis. Auch diesem Versuch stimmte meine Mutter zu und brachte mich zum ersten Training. Ich fand Gefallen daran, endlich mal etwas mit Action zu machen. Und ich ging auch wirklich gerne ins Tennis. Damals. Ich würde vermutlich heute noch gehen, wenn dieses Netz in der Mitte nicht gewesen wäre. Und die Linie, die das „Aus“ markierte. Ach ja, und die Regeln. Und der Gegner. Und der Ball war auch manchmal uncool. Und so kamen wir, nämlich ich, meine Mama, meine Trainerin und alle, die mir mal beim Training zuguckten, zu dem Schluss, dass ich nicht fürs Tennis geboren war. Das machte aber gar nichts. Denn zu dieser Zeit hatten wir in der Schule gerade Badminton- und Fußball-Angebote, die ich mit vollem Engagement wahrnahm. Ich war auch ziemlich gut, fand ich. Das fand mein Lehrer auch. Und er meinte weiter, dass ich wirklich, wirklich gut werden könnte, wenn ich mehr zu einem Teamplayer werde und nicht immer alle Foule. Besonders die Fouls an meiner eigenen Mannschaft wurden mir erschreckend übel genommen. Ich wurde immer sofort vom Feld genommen, musste von der Bank den anderen beim Spielen zuschauen und einmal wurde ich sogar mehrfach (!) dazu genötigt, mich bei meiner besten Freundin Laura entschuldigen, weil Sie mit mir im Badminton-Doppel spielte und ich versehentlich Ihre Nase mit meinem Schläger blutig schlug. Ich fand, dass ich dieses Versehen wirklich gut mit der Tatsache erklären konnte, dass Laura mich um den Gewinn gebracht hatte, in dem Sie nicht zum Ball rannte. Mein Trainer befand, dass man trotz dem Willen zu gewinnen mit mehr Rücksicht spielen müsse. (Das wir gewonnen haben, das zählt wohl so gar nicht, was!?)
Und so kam es, dass Badminton und auch Fußball die beiden Sportarten wurden, von denen ich ganz unfreiwillig verbannt wurde. Zu meinem Bedauern. Und zur Erleichterung meiner Freundin Laura und Ihrer Nase.

Rückblickend betrachtet, scheine ich einfach für Sport nicht gemacht zu sein. Oder gibt es einfach keinen Sport, der für mich gemacht ist? Und ja, ich habe schon mehrfach nachgehakt: Schlafen, Shoppen und Stundenlang in High Heels zu laufen sind aktuell (noch) keine anerkannten Sportarten. Doch ich arbeite bereits daran.
Und bis es soweit ist, frage ich mich: Welcher Sport könnte mir mehr Erfolg versprechen, wo ich doch alle gängigen Sportarten bereits in Erwägung gezogen hatte?
„Also, ich war da letztens in Bikram-Yoga…“ höre ich meine Kollegin Sabrina berichten und google sofort drauf los. So, so. Yoga bei 40 Grad. Klingt mal nach etwas außergewöhnlichem, etwas, von dem ich vorher noch nie gehört hatte und bei dem die Wahrscheinlichkeit, versehentlich andere Nasen blutig zu schlagen, sehr gering scheint. Und so schnappe ich mir meine Freundin Bridget und mache mich auf den Weg ins Bikram-Yoga-Studio.

„Mannomann, Yoga bei 40 Grad. Das ist bestimmt nicht ohne!“ meint Bridget.
„Absolut!“ Stimme ich ohne zu zögern zu und bin voll und ganz davon überzeugt, hier den richtigen Sport für mich gefunden zu haben.
Das glaube ich wirklich.
Bis mir beim Betreten des Studios siedend heiß etwas einfällt:
„Ey Bridget“ flüstere ich. „Du…eigentlich hasse ich ja Hitze!“
„Hitze ist nur ein Gefühl, blende es einfach aus“, interveniert die Yoga-Trainerin in meditativer Gelassenheit.
„Okay, das versuche ich“, lächle ich entspannt zurück.
WOW! Wie ich diesen Sport einfach sowas von rocken werde!
Motiviert stolziere ich in die Umkleide und freue mich aufs Yoga, aufs Training, auf die Hitze und aufs Ausblenden.
Bis ich meine Sporttasche öffne und bemerke, dass ich in der morgendlichen Hektik offenbar meine lange Thermo-Jogginghose und mein Thermoshirt (eigentlich geeignet für kühle Wintermorgende) eingepackt hatte.
„Jetzt nicht wirklich“ stöhnt Bridget und verrollt bei meiner Kleiderauswahl die Augen. Sie schüttelt ungläubig den Kopf.
Doch das blende ich einfach aus.
Oh. Ich wusste es.
Ich bin schon jetzt Profi. Irgendwie.

 


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Und dann ist da noch…Das Zimt & Zucker

Klar, über Zimt & Zucker auf Maultaschen lässt sich streiten (auch wenn es bei mir durchaus als Geheimtipp und Delikatesse durchgeht). Zimt & Zucker als Café in Stuttgart hingegen ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Hier sitze ich gerne mal mit meinem Laptop, schreibe eine neue Kolumne und trinke genüsslich und in Gedanken versunken einen Punsch. Oder zwei Punsche…Punschs…Pünsche…
Und während ich mich jetzt wirklich Frage, wie die Pluralform von „Punsch“ ist, kann ich nur weiter von dem Angebot schwärmen. Kuchen gibt es nämlich  nicht nur in lecker, sondern auch in glutenfrei. Und auch der Mittagstisch – der wahrlich nicht zu verachten ist – ist stehts als „Vegan“ oder „Glutenfrei“ ausgezeichnet. Ausgezeichnet finde ich.
Doch es ist letztendlich nicht der Punsch (ich glaube, es gibt den wirklich nur in Singular), der mich in das Café lockt . Auch nicht der Kuchen.
Nein, es ist die Atmosphäre, die mich dazu verleitet, immer wieder hinzugehen. Und auch Besucher, die zu mir nach Stuttgart kommen, werden von mir regelmäßig ins Zimt & Zucker entführt.
Ist das nicht langweilig? Absolut nicht. Denn da der Gast zur heißen Schokolade auch gleich den Stuhl unter sich und das schöne, große Bild an der Wand, kaufen kann, sieht es im Zimt & Zucker immer anders aus. Regelmäßig wird das Inventar neu aufgestockt und – passend zu den neuen Möbeln – neu dekoriert und gestrichen. Es sieht also immer anders aus, in meinem Lieblingscafé im Heusteigviertel und hinterlässt so immer einen ganz neuen Eindruck. Nur eines bleibt immer gleich: Das gute Gefühl!
Die einzige Frage, die ich noch habe: Wann gibt es diese köstlichen Pancakes denn auch in glutenfrei?
Und bis mir diese Frage beantwortet wird, nehme ich zu dem großen Kaffee einfach die Blumenvase da hinten, statt der Cupcakes und freue mich zumindest einmal über die gesparten Kalorien.
Und zur Belohnung kaufe ich mir einfach um die Ecke zwei Bällchen Eis.

 

 

Das Café Zimt & Zucker findet Ihr
in der Weißenburgstr.2c, 70180 Stuttgart
http://zimtundzucker-stuttgart.de/

Bilder: Zimt & Zucker

Beziehungsproblematik

 

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INSPIRATION. So ein großes Wort neben einer so kleinen Johanna. Inspiration ist so eine Sache, manchmal fehlt sie einfach. Umso schlauer, wenn man vorsorgt – finde ich – und auf Inspirationssuche geht.
Meine Suche begann am Samstag, um 9:30 Uhr auf dem Blogst-Workshop in Verbindung mit der Designmesse Blickfang. Neben reichlich Inspiration war ich auch auf der Suche nach Antworten zu Fragen wie „Was gibt es noch für Blogger da draußen?“, „Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?“, „Welche Fragen kommen bei Ihnen so auf?“ und „ob ich der einzige Blogger mit einem Windowsphone bin?“. Letztere Frage konnte ich schon nach kürzester Zeit mit „Ja“ beantworten. Nämlich, als man sich kunterbunt austauschte und ich nur noch hörte „…ein super Tool, gibt’s auf alle Fälle fürs iPhone“ oder auch „…das ist ja eine praktische App zum Bloggen. Die gibt’s jetzt auch für iOS und Android“. Ich schaue enttäuscht und auch etwas wütend auf mein Windowsphone. Und gerade, als ich beschließe, dass es weg muss, bekomme ich das Gefühl, dass mein Windowsphone gleich irgendwie traurig aussieht. Natürlich, ein Smartphone hat keine Gefühle. Und mir wurde schon einmal von meiner Freundin Laura, zu diesem Zeitpunkt meine Beifahrerin, attestiert, dass ich zu Gegenständen oft eine zu tiefe Beziehung entwickele. Damals habe ich ihr vehement widersprochen. Nachdem ich aber kurz darauf mit meinem Smart steil bergauf fahren musste und mich Laura dabei beobachten konnte, wie ich das Fahrzeug tröstend am Armaturenbrett tätschelte, kam in mir doch die Befürchtung auf, dass da etwas dran ist.
„Bist Du auch bei Instagram?“ werde ich von einer Workshop Teilnehmerin gefragt. „Jein, das gibt’s bisher fürs Windowsphone nur in der Beta-Phase“, flüstere ich und halte mein Smartphone etwas von mir weg. Es ist schon deprimiert und muss auch nicht alles Negative hören. (Habe ich eventuell doch ein größeres Problem?)
„Inspiration…“ wechsele ich schnell das Thema. „…woher bekommt Ihr denn so die besten Ideen für Euren Blog?“ „Ganz oft bei der Hausarbeit“, erfahre ich von einer Bloggerin. Und denke, dass dies durchaus ein Test wert ist. Doch die einzigen Gedanken, die mir beim Küchenputz dann so durch den Kopf gehen, sind: „Mist, bin ich so ein krasser Kühlschrankmessi“ und „ob so etwas behandelbar ist?“ und auch „ob mein Kühlschrankmessiproblem eventuell auch direkt zusammen mit meinem Beziehungsproblem mit Gegenständen geheilt werden kann?“ Echte Inspiration ist doch anders. Weniger Nervenarztmäßig. Meine ich zumindest. Eine andere Teilnehmerin meint: „Unter der Dusche! Da entspanne ich und mir kommen die schönsten Ideen“. „Ha“, denke ich. Und stelle mich unter die Dusche. Natürlich nicht während des Workshops, sondern erst danach. Auf dem Workshop gab es nämlich keine Dusche.
Unter der heimatlichen Dusche angekommen, merke ich, wie mich das warme Wasser entspannt. Ich shampooniere meine Haare und hoffe, dass nun die besten Ideen vor dem geistigen Auge auftauchen. Das einzige jedoch, was IN meinem Auge auftaucht, ist ein großer Klecks Shampoo. Ich schrecke zurück, stoße gegen den Wasserwärmeregler, das Wasser wird kochend heiß. Ich schreie auf, reiße den Regler herum und sorge idiotischer Weise dafür, dass nach kochend heißem nun eiskaltes Wasser auf mich einprasselt. Ich schreie abermals laut auf (im Nachhinein bin ich etwas entsetzt darüber, wie locker und unberührt meine Mitbewohner bleiben, wenn ihre liebste Mitbewohnerin im Bad mehrmals laut aufschreit!) und verlasse das Bad. Nein, ich bin nicht inspiriert. Nur verspannt, verbrannt und gleichzeitig unterkühlt. Muss man auch erst mal schaffen.
„Jeder holt sich seine Inspiration individuell woanders“, meint eine andere Teilnehmerin. Genauso, wie auch jeder andere Themen hat, für die er sich interessiert und über die er bloggt.“ Stimmt natürlich, wie überall gilt auch bei der Inspiration: Jeder muss seine eigenen Inspirationsquellen finden. Jeder ist anders. Und so schaue ich mich um, über was so geschrieben wird. Heidi, die neben mir sitzt, schreibt zum Beispiel über Yoga (ich nenne Sie inzwischen gerne Yoga-Heidi). Eine Workshop Teilnehmerin, die mir gegenüber sitzt und unglaublicher Weise auch Heidi heißt, schreibt über Kuchen. Das ist natürlich die Kuchen-Heidi. Ist ja klar. Und eine weitere Bloggerin schreibt über Schweine. Und wenn ich so an das Aussehen meines Kühlschrankinneren denke, diesen absoluten Saustall, so meine ich, könnte ich mich mit der Schweinebloggerin irgendwie zusammentun. Hmm…obwohl. Die Schweinebloggerin ist bestimmt auch auf Snapchat aktiv. Und das gibt’s nicht fürs Windowsphone!“
Ein Ächzen reißt mich aus meinen Tagträumen. „Mist, mein Akku vom iPhone ist schon wieder leer“ stöhnt ein Mädchen im blauen Kleid auf. Ein anderes Mädel mit hochgebundenen Haaren stimmt mit ein: „Oha nee, mein iPhone ist auch leer“. In diesem Moment bekomme ich eine Nachricht von einer Teilnehmerin, die bereits auf der Heimreise ist: „Mist, Ladegerät in Stuttgart vergessen und iPhone-Akku fast leer“.
Und so nehme ich mein Windowsphone in die Hand, schaue auf den Akkustand, der noch satte 40% anzeigt, tätschle es sanft und lächle.
Es lächelt zurück. Meine ich zumindest.
Denn es weiß: Ich kann ohne Snapchat. Aber ich kann nicht ohne Windi*.

*Spitzname meines Smartphones. Ja. Richtig gelesen. Das hat ´nen eigenen Spitznamen.

Von Einhörnern und Meerjungfrauen

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Ich bin ein Lügner.
Ganz ehrlich.
Aber keine von diesen fiesen Lügnern. Das ginge gar nicht, weil ich ja an Karma glaube und da einfach kein Risiko eingehen kann.
Ich bin einer dieser Sorte Lügner, die ganz genau merken, wenn die Chance gekommen ist, den Gegenüber in Staunen/einen Schockzustand/Ehrfurcht oder einfach nur absolute Verwirrung zu versetzen, indem man sich mitten im Gespräch eine Geschichte aus den Fingern zieht. Bevor hier jetzt Empörung aufkommt, sei gesagt: Ich mache dies keineswegs, weil ich Bösartig bin. Und fies will ich auch nicht sein. Aber es gibt Situationen, in denen merkt man gleich, dass der Gesprächspartner eine Frage nur deswegen stellt, weil er die Antwort schon zu kennen glaubt. Das sind dann auch meine liebsten Fragen.
So geschehen erst Ende November, als meine liebe Kollegin Sonja in die Agenturküche spazierte. Selbstverständlich war das vorherrschende Thema des Monats: Wo feiert die Agentur wohl Weihnachten?
In den vergangenen Jahren hatte es bei uns schon so manche Weihnachtsfeiern gegeben, die gerade bei Sonja nicht gut ankamen und die Sie derart in Angst und Schrecken versetzte, dass Sie vorab lieber die aktuelle Organisatorin zu den Plänen befragte: Mich. Und das war ganz sicher ein Fehler!
„Uuuuund?“ fragte Sie mich scheinbar nebenbei. „Was ist denn an Weihnachten geplant?“ „Och, schon einiges“, entgegnete ich. Und schon befand ich mich in meiner Geschichte, in der ich es schaffte, alle Ängste von Sonja, wie: zu große Kälte, zu schlechte Anbindung, zu wenig Essen, einzubetten. Ja, ich bin nicht nur eine Lügnerin. Ich bin eine gute Lügnerin. Und deswegen glaubte mir Sonja auch meine schier endlose und detailgetreue Story von „einer offenen, unbeheizten Scheune mitten auf einem Feld“ mit ganz wunderbarer „Molekularküche“ bei der ganz stilecht jeder Gang auf Trockeneis serviert wird. Und dann ist da ja noch die Anbindung, die ganz wunderbar ist. Denn „nach nur einem kurzen Marsch von 20 Minuten hat man schon die S-Bahn-Station in einem Dorf hinter Esslingen erreicht, mit der man dann in weniger als einer Stunde wieder in Stuttgart ist.“ Und während Sonja Leichenblass vor mir stand, machte ich mir einen Kaffee und plante anschließend unsere Weihnachtsfeier – natürlich in einem gemütlichen Restaurant mitten in Stuttgart, nahe zur U-Bahn, mit passendem 4-Gänge-Menü – einfach sang- und klanglos weiter.
Natürlich ließ ich die Gute nicht ewig in dem Glauben. Denn dann, als die halbe Kreativabteilung bei mir auf der Matte stand, um mir von Sonjas Schauergeschichten zu meiner schrecklichen Planung zu berichten, rückte ich natürlich mit der Wahrheit raus. „Du Lügenmolch“ lachte Sonja. Und dann fügte Sie hinzu: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!“ „Ja, schon klar“, antwortete ich eher beiläufig, als ich am noch unbesetzten Platz Ihrer Sitznachbarin Verena stand. Verena war noch beim Arzt um kam etwas später zu Arbeit. Und da ich Ihr noch Süßigkeiten schuldig war, nutze ich Ihre kurze Abwesenheit und drapierte allerlei Schokoriegel (für meine Verhältnisse) Kunstvoll auf Ihrem Tisch. „Ähh…warum bekommt die Süßigkeiten von Dir?“ fragte mich Sonja. Und ich erkannte dabei an Ihrem Blick, dass Sie gerade am Grübeln war, ob Sie Verenas Geburtstag verpasst hatte. „Na, Verena hat doch heute Geburtstag!“ griff ich diese einmalige Gelegenheit auf und ergänzte: „Sie kommt deswegen heute auch etwas später. Sie hat noch ein Geburtstagsfrühstück. Ich habe Ihr natürlich schon per Whatsapp gratuliert. Du etwa noch nicht?“ Ich legte einen Blick aus überraschter Enttäuschung auf und lies den Schokoriegelbesetzten Platz von dem angeblichen Geburtstagskind und eine bedröppelte Sonja zurück.
Gegen Nachmittag kam Verena auf mich zu und lachte: „Johanna!!! heute wird mir alle paar Minuten von jemand anderem zu meinem Geburtstag gratuliert!“ „Keine Ahnung, woran das liegt“, zwinkerte ich Ihr zu. „Beachte aber“, ergänzte Verena dann „Wer einmal lügt, wem glaubt man nicht.“
Und ich komme ins Grübeln! Ist denn da wirklich etwas Wahres dran? Zunächst einmal, sind dies ja keine wirklichen Lügen, die ich da verbreite. Ich würde es eher „Unterhaltung von der etwas anderen Sorte“ nennen. Zum anderen habe ich schon öfters als einmal etwas erfunden und man glaubt mir dennoch immer wieder. Selbst die absurdesten Geschichten von meiner eigenen Pelztierfarm (als Reaktion auf die empörten Kommentare meiner veganen Freunde im Bezug auf meine Kunstfellweste) oder die Erklärung, dass ich mir oft betrunken einfach irgendwelche Gegenstände als Tattoo stechen lasse (wenn ich z.B. gefragt werde, ob mein Kleiderbügel am Handgelenk überhaupt eine tiefere Bedeutung hat). Es macht Spaß, wenn ich erst einmal mit großen Augen angeschaut werde, bevor ich diese kleine Schwindelei zu erkennen gebe. Klar, manchmal wird es etwas chaotisch, das gebe ich zu. Z.B. als ich erkannte, dass sich ein weiteres Mädchen mit Namen Johanna in meiner Stufe befand. Dies nahm eine Lehrerin zum Anlass und befragte mich, ob ich damit ein Problem hätte – mit einem Gesichtsausdruck, der mir zeigte, dass Sie sich sowieso schon sicher war, dass ich keine andere Johanna neben wir ertrug. Also erklärte ich Ihr, dass ich es keinesfalls hinnehmen werde, dass noch jemand anderes in meinem Umfeld diesen Namen trägt, da ich es nun einmal gewohnt bin, die einzige Johanna in der Stufe zu sein. Ich fragte, ob es möglich sei, diese zweite Johanna bitte einfach künftig nur nach ihrem zweiten Namen zu rufen. Das sei ja wohl nicht zu viel verlangt. Bevor ich auch nur die Chance hatte, diesen Witz aufzulösen, hatte sich die Nachricht (Mädchenschule sei Dank) schon in meiner Stufe herumgesprochen. Es war dann schon absehbar, dass ich Amanda (unter diesem Zweitnamen war die zweite Johanna dann bekannt) wohl niemals als beste Freundin bezeichnen kann.
„Aber nur aus Angst vor Risiken eine gute Geschichte einfach so verstreichen zu lassen? Das halte ich für grob fahrlässig!“ denke ich und laufe gerade im Anschluss an einen Arzttermin durch Bad Cannstatt. Dann ruft mich mein Mitbewohner an: „Johanna“, meint er „Du brauchst nicht nachhause zu kommen. Unsere Wohnung wurde evakuiert. In den Nachrichten steht es schon: Bei uns um die Ecke wurde eine Fliegerbombe gefunden.“ „Okay, danke für die Info“ antworte ich. Teils erleichtert, weil ich bei dem Begriff „Evakuierung“ zunächst vermutete, ich hätte mein Glätteisen angelassen und dann doch eine Fliegerbombe schuld war. Teils etwas ratlos, weil ich nun da stehe. In Bad Cannstatt. Bei eisigen Temperaturen. Ohne funktionierende S-Bahnen. Und mit einer Prise Obdachlosigkeit.
Also rufe ich einen Kollegen Lukas an, der in Cannstatt wohnt und nun die Gelegenheit hat, mich aus dieser Misere zu befreien.
„Lukas?“ melde ich mich am Telefon zu Wort „Bist Du daheim? Und wenn ja, kann ich zu Dir?“
„Was ist los?“, fragt Lukas.
„Bei mir wurde ’ne Bombe gefunden, meine Wohnung wurde evakuiert, ich stehe in Bad Cannstatt, die S-Bahnen fahren nicht und ich bin erstmal Obdachlos.“
„Ganz ehrlich“, entgegnet Lukas lachend. „Deine Storys waren auch schon einmal besser Johanna“.
Und dann legt er auf.
Und ich höre nur das „tuuuut, tuuut“ aus meinem Handy, während ich mich an diesen einen Satz erinnere: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“
Ich werde traurig.
Und ich frage mich, ob ich es nun doch übertrieben habe, mit meinen Storys. Habe ich zu viele Geschichten erfunden? Habe ich zu oft Schabernack getrieben?
Und plötzlich erinnere ich mich an Sonjas entgeistertes Gesicht, als ich Ihr ausführlich vom erfundenen Weihnachtsfest in der Pampa berichtete.
Und während ich, noch immer frierend, lachen muss, wird mir klar:
Von Freunden und Kollegen in Notsituationen nicht ernst genommen zu werden – Diese Geschichten sind es einfach wert!


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Atemlos dahingeschmolzen

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Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin kitschige Filme schauen und Schokolade futtern. Wie man das an einem verregneten Sonntag nun mal macht. Doch die war krank und ich war deprimiert. Aber wie sagt man so schön? Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo ein Fenster.
Mein Fensterchen war hier eindeutig die Sauna. In einem Jahr als Neu-Schwabe, habe ich es tatsächlich noch nie in die Sauna geschafft. Verspannungen 4. Grades (wenn ich dies als medizinischer Kenner mal so behaupten darf) und der Drang nach wohliger Wärme, brachten mich also dazu, dieses Defizit nun endlich einmal auszugleichen.
In der Sauna angekommen, roch es schon so schön nach einer Mischung aus billigen Badelatschen, Chlor und Nadelholz-Aromen. Schnell huschte ich also in die Umkleidekabine, machte die Tür hinter mir zu – und bemerkte kurz darauf, dass diese Tür keine Griffe besaß.
Ich saß in der Falle.
In der Umkleidekabinenfalle.

Klar, ich hätte Ruhe bewahren, logisch nachdenken und mir überlegen können, dass man in einer solchen Anlage niemals Türen ohne Griffe konzipieren würden, die sich nicht irgendwie auch von innen wieder öffnen ließen! Da ich aber leider ich bin, zu klaustrophobischen Anfällen neige und mir in solchen Situationen zu gerne vorstelle, wie man hier wohl nach ca. 3 Monaten meine halb verweste Leiche finden würde, war logisches Denken nicht mehr möglich.
Also verwarf ich das mit dem logischen Denken und dachte an den Spruch: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo ein Fenster. Und dann sah ich mein persönliches Fenster: Eine mikrige Öffnung am Boden der Kabine. Also versuchte ich mein Glück und quetschte mich hindurch. Ich war schon halb gerettet, als mich von oben ein weiterer Badegast misstrauisch begutachtete: „Ähm…in der Kabine sind Henkel an den Sitzbänken. Damit lassen sich die Türen ganz einfach öffnen!“ Ich denke nicht, dass ich mich jemals so flink auf einem Boden liegend rückwärts bewegt habe und direkt wieder in der Kabine stand – direkt vor einem Henkel mit der Aufschrift „Türöffner“. Ganz ehrlich: Wer bringt so etwas an einer so unauffälligen Stelle an?
Und so kam ich (nachdem der Badegast verschwunden war) aus der Umkleidekabine.
Durch die Tür.
Wie jeder normale Mensch.
In solchen Momenten überlege ich mir dann schon, ob Entspannung bei mir jemals eintreten kann. Aber ich gebe ja niemals auf und finde immer einen Weg (wenn auch einen unbequemen, der unter einer Umkleidekabinentür entlangläuft).
Entgegen meiner Vorstellung und der Beschreibung meines Mitbewohners, fiel das Angebot an Saunen ziemlich mager aus. Gerade einmal zwei Saunen und die gleich mit 90 Grad (!) standen zur Verfügung. Viel zu heiß für meinen Geschmack. Aber wenn es nun mal mehr nicht gab!? Also ging ich zähneknirschend in die überhitzte Sauna, die zudem auch noch ein penetrantes Aroma von Birke bot. Und während ich so da lag, fragte ich mich, ob ich wohl gleich eher am Birkenduft ersticken oder dank der Hitze dahinschmelzen würde. Beides tat ich nicht, stattdessen hopste ich alle 5 Minuten hinaus, kühlte mich ab und ging anschließend wieder hinein. Die anderen Saunagäste waren nicht begeistert, aber 90 Grad hält doch keiner länger als 5 Minuten aus!
Gerade, als ich überlegte, noch ein 6. Mal eine 5-Minuten-Sauna-Action auf mich zu nehmen, fragte ich mich ein weiterer Saunagast (glücklicherweise nicht der gleiche, der mich auf die Umkleidekabinentürmisere aufmerksam machte), warum ich nicht einfach in eine weniger stark beheizte Sauna gehe und zeigte auf ein verstecktes und ultra-winziges Schildchen, auf dem geschrieben stand: „Weitere Saunen im 1. OG“. Daneben ein klitzekleiner Pfeil der auf eine noch klitzekleinere Treppe zeigte, die wiederum in ein absolut verstecktes, absolut unauffälliges weiteres Stockwerk führte. „Aber süß, dass Du scheinbar dachtest, das hier unten wäre schon alles“, lachte der Saunabesucher.
Ich lachte nicht und verschwand stattdessen mit hochrotem Kopf (natürlich von der 90 Grad Sauna) nach oben. Dort wartete dann endlich das Paradies auf mich. Perfekt beheizte Saunen, tolle Dampfbäder, wunderbare Ruheräume…und für all das hatte ich inzwischen nur noch 20 Minuten Zeit!

Doch dann, kurz vor Ende der Öffnungszeiten, lag ich endlich in der richtigen Sauna, im richtigen Stockwerk! Und ich dachte wieder an den Spruch: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo ein Fenster. Und trotzdem – oder gerade weil Tür und Fenster verschlossen sind- ging es einem in dieser Sauna doch so blendend.
In der verschlossenen Umkleidekabine dagegen, hatte ich mich lange nicht so wohl gefühlt.
Auch nicht in der 90 Grad Sauna.
Schon gar nicht bei diesem penetranten Birkenaroma!

Doch jetzt konnte ich all das hinter mir lassen.
Und gerade, als ich mich freute in der perfekten Sauna, in der perfekten Wärme und dem perfekt (dezenten) Orangenaroma zu liegen, wechselte die (bisher perfekte) Hintergrundmusik und es ertönte: Eine Instrumentalversion von Helene Fischers „Atemlos“.

Und ich dachte nur noch:
„Wie gerne wäre ich noch immer in dieser Umkleidekabine gefangen.
Gerne auch bei 90 Grad!
Mit vollem Birkenaroma!


https://www.flickr.com/photos/3n/3811240323

Einfach abhängen!

Das Leben ist das, was passiert, während Du Pläne machst. Bis auf Carrie Bradshaws Aussage Shopping ist mein Herz-Kreislauf-Training habe ich keine so wahre Aussage mehr gehört.
Was habe ich nicht schon alles geplant? Und was ist dann nicht alles anders gekommen?
Aber kann nicht auch mal alles so laufen, wie man es geplant hat? Und so lade ich kurzerhand meinen guten Freund Martin nach Stuttgart ein, um ihm eine bestens durchgeplante Touristenführung in meiner neuen Heimat zu bieten. Jeden noch so winzigen Programmpunkt habe ich akribisch geplant und genau durchdacht. Also hole ich gleich morgens mein perfektes Touristenführungs-Outfit, bestehend aus cremefarbenem Kleid mit meinen Gelb-Beigen Sandalen und der Jeansjacke, hervor. Alles sollte nach Plan laufen. Nach meinem Plan. Den ich absolut im Griff habe.
Plötzlich klingelt Martins Handy. Seine Schwester ist dran, die genau wie ich in Stuttgart wohnt, und fängt an, uns zu einer Kletterpartie im Hochseilgarten zu überreden.
Martins Augen glänzen vor Freude und schon ahne ich, dass aus meinen ursprünglichen Plänen nichts wird. Bye, bye, Stuttgarter Markthalle mit all Deinen Köstlichkeiten. Adios Stuttgarter Kaufhaus Breuninger, wo ich mein wöchentliches Herz-Kreislauf-Training absolvieren und gleichzeitig die neusten Herbstkleidchen anprobieren kann.  Willkommen richtige sportliche Betätigung.
„Machen wir da mit?“ fragt mich Martin mit einer Begeisterung, die einem kleinen Kind kurz vor Weihnachten ähnelt. Natürlich sage ich zu und trauere schon meinem aufwändig herausgesuchten Tages-Outfit nach. Ich bin kein Kletterexperte. Doch in ahne, dass Sommerkleid und Sandalen nur bedingt für eine Klettertour geeignet sind.
Auf dem Weg zum Hochseilgarten stimme ich mich auf die abartigen Höhen im tiefen Wald ein, indem ich Martin erläutere, warum Menschen von Natur aus eher auf den Boden gehören und dass Eichhörnchen – entgegen der allgemeinen Annahme – keine Vegetarier sind. Martin versichert mir, dass er sich vor blutrünstigen Eichhörnchen in Acht nehmen wird und trotzdem fürs Klettern ist. Dass Männer auch immer den Helden markieren müssen.
Noch bevor ich selbst die erste Plattform erklimmen kann, habe ich schon eine Schramme an der Schulter, einen blauen Fleck und einen blutigen Daumen. Ich ahne, dass das nicht gut ausgehen kann. Und als der Sicherheitsanweiser mitteilt, dass die Schwierigkeitsstufen in Form von Eichhörnchen gekennzeichnet sind, verdunkelt sich meine Vorahnung noch ein ganzes Stück. „Oh, wie niedlich, das mit den Eichhörnchen“, freut sich Martins Schwester. „Du glückliche Ahnungslose“, denke ich.
Und schon turnen Martin und ich auf Seilen in abnormen Höhen herum, anstatt gemütlich auf dem Weindorf die verschiedensten Weinsorten zu testen.
Das Leben ist wirklich das, was passiert, während Du Pläne machst. Und mein Plan besteht zurzeit darin, nicht in die Tiefe zu fallen. In diesem Moment trete ich neben das Seil, rutsche gefühlte 5 Meter in die Tiefe und baumele, wie ein Schinken beim Metzger, einfach nur noch hin und her. Kurzerhand ruft ein Mann genervt: „Hey, kommt mal bitte. Hier muss eine junge Dame gerettet werden!“
Und dann? Ja dann beobachten ca. 20 Passanten auf sicherem Boden, einige Kletterwütige aus luftigen Höhen und auch ganz sicher das ein- oder andere blutrünstige Eichhörnchen, wie eine 26-Jährige Hobby-Touristenführerin aus den Seilen geangelt wird.

Ich bin betrübt.
Martin lacht. „Jetzt hast Du wenigstens wieder reichlich Stoff für eine neue Kolumne“.
Ich gebe ihm Recht.
„Vielleicht sollte manchmal tatsächlich einfach mal nichts planen!“
„Dafür können wir heute Abend einfach ganz gemütlich abhängen“, verspricht Martin.
Einverstanden.
Aber nicht in 10 Metern höhe.
Und ohne Eichhorn!!!

 


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