Let’s Twist again

Die Blumen blühen in voller Pracht, die Sonne strahlt mit den Gesichtern der Kinder um die Wette und die Eisdielen der Städte machen wieder den Umsatz Ihres Lebens: Der Sommer ist zurück. Und mit ihm die Sommerkleider und offenen Schuhe und Sonnenbrillen und Bikinis.
Klar, auch ich liebe es, wenn der Tag nicht durchgehend von Dunkelheit geprägt ist und man sein verkniffenes Bürogesicht in der Mittagspause in die Sonnenstrahlen recken und etwas entspannen kann. Besonders als Kind habe ich es genossen, in der puren Hitze nackt durch die Sonne zu toben und mich zwischendrin – zum Leidwesen der Kundschaft – an der Kühltheke des kleinen Supermarktes etwas akklimatisierte, indem ich meinen Po neben Joghurt und Milch platzierte.
Doch heute, einige Jahre später, sieht das ganz anders aus. Ich springe nicht mehr bei der ersten Hitzewelle nackt auf die Straße (okay, das hat inzwischen natürlich noch weitere Gründe) und suche eher die schattigen Plätzchen im Garten auf. Ja, heute ziehe ich den Winter vor!

Und so stehe ich im Büro und rufe: „Ich sehne mir so den Winter herbei!“ Ungläubige Gesichter starren mich an. „Johanna, erst gestern hast Du Dir Deinen Winterparka in der Agentur angezogen. Bei 22 Grad. Weil es Dir zu kalt war. Während der Rest von uns mit kurzärmeligen Shirts herumgelaufen ist“ entgegnet eine Kollegin. Und greift damit natürlich Tatsachen auf.
Klar, ich friere sehr schnell und auch sehr ungern und frage mich deswegen noch heute, wie ich damals die frostige Kühltheke im Supermarkt als angenehm empfinden konnte. Doch während der ein oder andere in Sandalen durch die Gassen flaniert, trage ich heute unter meinen Stiefeln am liebsten noch Mamas selbstgestrickte Socken. „Stimmt, aber trotzdem liebe ich den Winter so viel mehr“, erwidere ich. „Das Sommer-Winter-Feeling ist bei mir eben etwas verdreht“.  „Naja, Du bist ja generell etwas verdreht, Johanna“; meint die Kollegin. Und ich mache so, als hätte ich es nicht gehört. Doch irgendwie stimmt es. Während gefühlt der Rest der Welt im Sommer leichte Speisen vorzieht, Salate anmacht, Gemüse mariniert und Beeren verputzt, bekomme ich in den sonnigsten Monaten Lust auf deftige, schwere Gerichte. Gerne darf bei mir mitten im Juli ein Gänsebraten mit Klößen auf den Mittagstisch. Und dann zum Nachtisch noch Mousse au Chocolat. Statt eines Wassereis‘ beim Sonnenbaden, genieße ich dann lieber dabei heiße Eintöpfe oder Suppen. „Du bist total verdreht“, meinte erst letztes Jahr meine Freundin Viki, als ich mir während einer Hitzewelle die zweite Portion Chili ganz frisch nachwürzte, während der Rest der Truppe vor Ihren Salaten mit Früchten saß und eher lustlos darin herumstocherte. Es ist auch schon irgendwie verdreht, dass ich im Sommer viel mehr Überwindung brauche, morgens aufzustehen um vor der Arbeit Joggen zu gehen. „Du weißt aber schon, dass es bei morgendlichem Sonnenschein und angenehmen 13 Grad leichter sein sollte?“ fragt mich mein Mitbewohner. Ja, ich weiß wie es eigentlich sein sollte. Bei mir ist es jedoch so, dass ich im tiefsten Winter bei 0 Grad morgens fast problemlos aus dem Bett springe, mir gefühlt 10 Schichten an Joggingklamotten überwerfe, dann den Schal, die Handschuhe, die Mütze und letztendlich – total vermummt – um 6 Uhr in die Dunkelheit trete. Dann, wenn die Kälte mir einen kleinen Schlag ins Gesicht verpasst und ich vor lauter Dunkelheit lediglich ahnen kannst, wo sich der Weg vor mir befindet…dann springen bei mir die Endorphine im Salto und ich empfinde pures Glück. Wohl das gleiche Glücksgefühl, das bei allen anderen während des Sonnenbadens am Strand, beim Eis essen im Park oder beim Freibad-planschen auftritt. Nur eben etwas verdreht.
Und so ist es doch kaum verwunderlich, dass ich nach Strandspaziergängen bei 30 Grad in Italien (und meinem obligatorischen deftigen Auflauf im Anschluss) doch gar nicht so entspannt bin. Nicht so wie Freunde und Familie, die in diesen Zeiten total aufblühen.
Eine ganze Weile hat mich das sehr irritiert und ich fragte mich:
„Warum ist das bei mir nur so verdreht?“

Und dann stand ich 2015 das erste Mal an einem Sommerurlaubsort nach meinem Geschmack. Oslo. 8 Grad. Starker Wind.
Und wie ich da so lief, bei Kälte, Nieselregen mit meinem grünen Schirm, kam Sie ganz plötzlich: Die Tiefen-Entspannung und Zufriedenheit.
„Wirklich seltsam“ dachte ich.
„Entschuldigung. Bei Ihnen ist da was verdreht“ meinte ein Passant freundlich und zeigte auf meinen Schirm, der sich- vor lauter Wind – etwas gelöst und um sich selbst gewickelt hatte.
„Stimmt! Bei mir ist da einfach etwas verdreht“ lachte ich.
Und freute mich, dass ich Sie endlich genießen konnte:
Meine verdrehten Glücksgefühle.
Meinen verdrehten Charakter.
Meine verdrehten Eigenschaften.
Und dann schmiss ich meinen verdrehten Schirm in den Müll und besorgte mir einen Neuen.
Naja.
Irgendwo hat auch die Verdrehtheit mal Grenzen.

Wie ich quasi schon auf das Licht zulief – Schlüssellos unterwegs Teil 2

Ein Frühlingsfest, eine Johanna, eine gesperrte EC-Karte, ein fast leerer Handy Akku und ein Haustürschlüssel, der noch zuhause lag: Es gibt Abende, da passt einfach alles. Manchmal eben nur nicht so, wie man das gerne hätte. Und doch glaubte ich zu dieser Stunde noch an das Glück in all diesem Unglücken. Das Glück kam auch – nämlich in Form einer Nachricht von meinem Mitbewohner direkt auf mein Handy: „Ich bin daheim, bin extra mit dem Taxi gefahren. Du kannst also jetzt wieder nachhause kommen.“
Ich war erleichtert, dass ich die Nacht offensichtlich doch in meinen eigenen vier Wänden verbringen durfte.
„Du kommst jetzt also wieder rein?“ hakte Corinna nach. „Klar“, strahlte ich bis über beide Ohren. Und so trat ich die Heimreise an und stand bereits nach kurzer Zeit mit piepsendem Handy, das inzwischen den Warnhinweis „Bitte laden Sie den Akku auf“ anzeigte, vor meiner Tür.
Ich klingelte. Einmal. Zweimal. Zwanzigmal.
Nach ca. einer Viertelstunde zweifelte ich langsam daran, dass mir mein Mitbewohner tatsächlich nochmal die Haustür aufmacht und begann mich zu fragen: „Was mache ich jetzt bloß? So ohne Geld? Und ohne Schlüssel?“
Ich kam zu dem Entschluss, dass mir in dieser Situation nur eines helfen kann: bitterliches Weinen. Und so tat ich das. Offenbar so dramatisch und Geräusch-intensiv, dass mich ein Bewohner des Hauses hörte. Er machte auf und ließ mich – nämlich eine schluchzende Person mit weißem Kunstfellmantel und einem riesigen Blumenkranz auf dem Kopf – ins Haus hinein. Im Nachhinein betrachtet ziemlich schockierend, wen oder was die Nachbarn da einfach so (ohne groß Fragen zu stellen) ins Haus lassen. Aber gut – ins Treppenhaus hatte ich es geschafft. Und versuchte nun zunächst meine eigene Haustür aufzutreten. Es sah wahrscheinlich relativ unelegant aus, wie ich da immer wieder gegen die Tür hüpfte…und ich trotzdem nichts erreichte, außer einen blauen Fleck am Knöchel und die Gewissheit, keine gute Kriminelle abgeben zu können.
Mein Handy piepste erneut und deutete an, dass es jede Sekunde ausgehen würde. Also nutzte ich die letzte verbleibende Möglichkeit, rief den Schlüsselnotdienst an, schrie meine Adresse in mein Handy – bevor sich das Gerät von selbst abschaltete – und hoffte, dass der Schlüsselnotdienst sich meine Adresse und meinen Ernst der Lage rechtzeitig notieren konnte. Ja, ich hoffte auf den Retter in der Not – der sich dann nach 15 Minuten in Form eines Schlüsselnotdienstmannes zeigte.
Ich jubilierte und freute mich über diesen Retter in der Not. Das jubilieren ließ nach, als dieser Retter erklärte, dass er über 400€ für das Öffnen der Tür verlangen musste. „Über 400€???“ rief ich und ergänzte – natürlich ohne zu dramatisch zu werden – „Dann möchte ich lieber, dass die Tür verschlossen bleibt. Bitte lassen Sie mich einfach hier sterben. Vor meiner Haustür. Allein und ohne Handy. Und so ganz ohne etwas Essbares“ Ich schluchzte noch ein bisschen, denn das passte so herrlich gut zu meiner aktuellen, höchst dramatischen Lage. „Ich kann Sie hier doch nicht einfach sitzen lassen!“ erklärte der Schlüsselnotdienstmann. „Doch, das können Sie“ meinte ich. „Sie können einfach gehen. Ich komm schon klar. Vielleicht überlebe ich es nicht, ich werde eventuell hier draußen verhungern. Aber jeder hat ja bekanntlich sein Päckchen zu tragen.“
„Ooooookay“ rief der Schlüsselnotdienstmann, fluchte leise und tippte in sein Gerät alle Rabatte ein, die man so von einem Schlüsselnotdienstmann bekommen konnte. Und nachdem ich also im Schlüsselnotdienstmannsystem als „Minderjähriger schwerbehinderter Student“ hinterlegt wurde, waren die Kosten gleich nur noch halb so hoch.
„Super, dann öffnen Sie jetzt die Tür“ drängelte ich und wurde innerhalb 10 Sekunden in meine Wohnung gelassen. 10 Sekunden. Ganz ehrlich, diese Einbrecher-Skills sollte ich mir für den nächsten Ausflug ohne Haustürschlüssel mal zeigen lassen.
Und so war ich wieder zuhause. Und fand meinen Mitbewohner. Seelig ruhig schlafend in seinem Bett!!!Ich knallte wütend seine Zimmertür zu – worauf er es trotzdem wagte, einfach weiter zu schlafen.

„Oh Johanna, ich kann mir vorstellen, wie sehr Du Deinen Mitbewohner das noch spüren lässt, dass er Dich nicht gehört hat“, meint mein Cousin Philip am nächsten Morgen bei einem Spaziergang durch die Wilhelma, nachdem ich ihm alles erzählt hatte.
„Zu recht“ entgegne ich und schmiede bereits Rachepläne.
„Du weißt aber schon, dass es eigentlich DEINE Schuld war!?“ fragt er. „Ich meine, DU hast den Schlüssel vergessen, DU hattest den Akku des Handys nicht richtig geladen. DU hast die PIN Deiner EC-Karte falsch eingegeben. Und DU hast Dein letztes Geld für einen Blumenkranz für die Haare ausgegeben.“
„Du kannst das ja gar nicht verstehen…wie das so ist. Wenn man vor der Tür steht. Ohne Essen. Ohne Trinken. Das Leben zieht an einem vorbei. Und der Mitbewohner hört einen einfach nicht“ schluchze ich.
Philip lacht: „Ach Johanna, wir wissen doch beide, dass Du manchmal gerne alles etwas dramatisierst. Gerade wenn Du nichts zu essen bei Dir hast.
„Auch ohne Essen – Ich dramatisiere NIE etwas“ rufe ich empört und schmeiße mein Eis, das mit Philip gerade erst ausgegeben hat, wütend auf den Boden.
Und dann kommen mir die Tränen.
Denn der Weg war noch weit, bis nachhause.
Und so ganz ohne Eis würde ich sicherlich elendig verhungern.
Das ist mal sicher.

 


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Eingefädelt!

Natürlich sollte man im Leben immer nach vorne blicken. Manchmal ist man aber auch dazu genötigt, zurück zu sehen. Ganz besonders, wenn man, wie ich, regelmäßig eine Kolumne schreibt, die ganz eindeutig festhält, was man macht, wer man ist und wie das eigene Leben gerade so mit einem umgeht.
„Weißt Du Johanna“, meint Chris, der Verlobte meiner Freundin Laura, vor kurzem lachend, „ich lese Deine Kolumnen echt gern. Aber wenn man sich die mal in der Gesamtheit betrachtet, fragt man sich doch immer: „Wo ist da bei dir der rote Faden? Du läufst im Zickzack durchs Leben…und rennst dabei immer irgendwo dagegen!“
Tsja, wo ist bei mir der rote Faden? Ich weiß es, zugegebenermaßen, selbst nicht so genau.
Da ist z.B. meine Freundin Joanna, die sich voller Hingabe mit Leib und Seele für eine studentische Organisation engagiert. Selbst in der Freizeit ist Sie immer auf Akquise-Mission und schafft es scheinbar problemlos, mein verloren gegangenes Handy zu suchen, dabei einen Aperol Spritz zu schlürfen und ganz nebenbei Kontakte zu knüpfen, Infos auszutauschen und mitten in der Nacht in der Tequila-Bar so mirnichtsdirnichts irgendwelche Studenten an irgendwelche Unternehmen in irgendwelchen Städten zu irgendwelchen Workshops zu vermitteln. Ich bin immer etwas beeindruckt von dieser Gradlinigkeit und Wünsche mir dann auch so viel Struktur. Einen ganz eigenen roten Faden eben.
Oder meine Freundin Laura, die immer so schön durchdacht am Planen ist und dann – To Do-Listen-Mäßig – alles abzuhaken scheint. Sie hat sich mit Ihrem Verlobten selbstständig gemacht, arbeitet nun fleißig am Erfolg mit und baut sich dabei (schön geregelt eben) eine Wohnung, eine Familie, …also ein ganz geordnetes Leben auf. Und wenn Sie davon erzählt, wie viel Arbeit vor Ihr liegt, wohin das Unternehmen wachsen soll und was noch alles dafür getan werden muss, dann denke ich unweigerlich daran, dass ich es noch nicht einmal innerhalb einer Woche geschafft habe, meine Pflanzen zu gießen.
Ja, der rote Faden. Man möchte meinen, er sei erblich. Ist er aber nicht. Denn während meine Mama Ihrem roten Faden mit Begeisterung folgt, ihr Cateringunternehmen auf- und ausgebaut hat und nun – zur Krönung – Ihren Meistertitel erworben hat, kann ich nur hinter der Tür, unterm Bett oder im Schrank nachschauen, in der Hoffnung, dass er da irgendwo liegt, mein eigener roter Faden.
Selbst mein Papa hat einen roten Faden. Der besteht darin, immer über die anstrengenden Griechenlandurlaube mit seinen Freunden und deren verehrende Skatkünste zu meckern. Um dann zum Skatspielen im kommenden Jahr wieder mit ihnen in Urlaub zu fahren.
Ja, auch das ist ein roter Faden.
Und ich sitze hier, auf meinen Holzstuhl und überlege wirklich angestrengt, wo er sich nun versteckt, dieser rote Faden. Um ihn zu finden, müsste ich wohl erst einmal überlegen, ob sich in meinem Wirrwarr überhaupt ein Faden spinnen lässt: Zwischen meinem aufreibendem Schauspielunterricht und meiner Leidenschaft für die ruhige Arbeit an meiner kleinen Nähmaschine, zwischen meiner Kolumne und meinen Jogging-Einheiten, zwischen meiner Zeit bei Replay und beim Verlag und bei einem Startup und einer Werbeagentur mit immer grundverschiedenen Aufgaben, zwischen meiner Liebe zu Tieren und dem Hass gegenüber Eichhörnchen und Marienkäfern, zwischen meiner Präferenz für Maultaschen mit Zimt und Zucker und meinem Ekel vor Schokolade mit Minze, zwischen meiner pfälzischen Verwurzelung in Schwäbischen Gefilden und meiner Art „Friche Fiche“ zu sagen, dafür dann aber „Schemie“.

Dass ich offensichtlich keinen roten Faden habe, ist echt traurig. Oder ist gerade das mein roter Faden?
Mir bleibt nichts anderes übrig, als damit zu leben und diese Kolumne hiermit abzuschließen.
Und während ich – doch etwas enttäuscht – durch mein Zimmer schaue, bleibt mein Blick an meiner Kleiderstange hängen. Mir fällt mein Blazer auf. Er ist rot und hat deutlich sichtbar eine eingerissene Naht. Und dort entdecke ich Ihn dann doch, wie er da aus der offenen Naht baumelt:
Der rote Faden. 
Mein roter Faden.
Und niemand hat gesagt, dass der nicht auch einfach mal aus billigem Material bestehen und industriell gefertigt sein darf.


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Von Pflanzen, die den Umrührer abgeben

 

2014 geht – 2015 kommt. Und wieder einmal habe ich meinen größten Vorsatz nicht in die Tat umgesetzt. Ziemlich ernüchternd so etwas, so dass ich wirklich ins Grübeln komme. Sollte ich das mit den Vorsätzen einfach lassen? Denn egal wie viele tolle Sachen passieren, so bleibt doch immer dieser eine, große Vorsatz in Leuchtschrift und mit Blink-Effekt, der dafür sorgt, dass Du dieses Jahr wieder einmal nicht ausreichend genutzt hast. Vergessen sind die Erfolge, die schönen Momente und die wunderbaren Ereignisse. Oder wähle ich meine Vorsätze etwa nicht passend genug aus? Sollte ich mich hierbei vielleicht von Freunden etwas lenken lassen?

Einen Vorsatz hätte ich dann schon mal, ganz frisch von Matthias erhalten. Er liest meine Kolumne (ja, unter Einfluss von unzähligen Espresso-Martini und Bier, hat er es mir gestanden). Und seiner Meinung nach, könnten die Themen in meiner Kolumne doch etwas männerlastiger werden. Verstehe. Trotz Gelalle und starkem Schwips. „Alles in allem viel zu viel Weiberkram“, das ist seine Meinung. Nun, das könnte daran liegen, dass ich Männerthemen ziemlich langweilig finde.
Pardon, für mich ist ein Auto dann ganz wunderbar, wenn es fährt und eine Heizung besitzt und ich meinen rosa Reisekoffer unterbringen kann. Für mich macht es keinen Unterschied, ob Männer einem runden, einem ovalen oder meinetwegen auch einem eckigen Ball hinterherrennen. Ich renne niemandem hinterher und bin damit auch immer ganz gut gefahren. Und ja, ich liebe meine Nike Air Max, aber auch nur, weil „Johanna“ vorne drauf steht. Und so würde ich Sie auch ohne Nike-Zeichen lieben. Zudem finde ich, dass Bier ungefähr so gut schmeckt wie Spühlmittel mit Kohlensäure und erst 2014 habe ich wirklich selbstständig einen Nagel in die Wand gehauen.
Das alles hat seinen Ursprung vielleicht darin, dass ich kein Mann, sondern eine Frau bin. Und damit ist Mädchenkram nun mal für mich essenziell. So komme ich zu dem Urteil, dass der Vorsatz einer männerlastigen Kolumne auch nicht das richtige für mich gewesen wäre.
Vielleicht sollte man einfach ganz aufhören, mit diesen Vorsätzen? Was für zahlreiche Dinge standen bitte Jahr für Jahr auf meinen Listen?
Weniger Online shoppen. Gut gemeint, schlecht gemacht. Besonders, wenn man die vielen Amazon- und Asos-Pakete sieht, die sich immer wieder in der Wohnung stapeln. Aber wenn ich diesen Pailletten-Blazer, den schwarzen Jumpsuit und die 4. Fellweste doch nun einfach mal brauchte!?
Oder der Vorsatz Regelmäßig Blumen gießen. Sinnvoller Vorsatz, denn ich neige dazu, meine Pflanzen effektiv umzubringen. Vielleicht hätte ich jedoch „regelmäßig“ genauer definieren sollen. Für mich waren die paar Tage, an denen ich die rosa Gieskanne tatsächlich genutzt habe, regelmäßig genug. Meine Pflanzen – mit Ihren braunen Blättern und verwelkten Blüten – sehen das offensichtlich anders.
Oder mein wichtiger Vorsatz Erst gut nachdenken, bevor gehandelt wirdAls ich mir die Kinderversion von Pippi Langstrumpf (statt der umfangreichen Version) auf Schwedisch gekauft hatte – im Hinblick darauf, dass mein Schwedisch noch wirklich ausbaufähig ist – dachte ich, dass ich diesen Vorsatz verinnerlicht hatte. Dann erblicke ich jedoch den 1-Meter-großen Kuscheltier-Hai, den ich als Weihnachtsgeschenk für meine Nichte fand. Er war so flauschig und so süß und so riesig. Kein Grund um zu verzweifeln, denkt Ihr? Immerhin bin ICH es, die dieses Ungetüm nun am 23. wie eine Idiotin auf der Zugfahrt in die Heimat mitschleppen darf. Und nicht ihr!
Und der letzte Vorsatz Löffel niemals mehr Umrührer nennen. Sorry, bei diesem Vorsatz muss ich betrunken gewesen sein, denn Umrührer klingt einfach viel charmanter als Löffel.

Ja, es ist ein bitteres Gefühl, wenn das Jahr zu Ende geht und man bemerkt, dass die Vorsätze nicht eingehalten wurden (außer der letzte Vorsatz natürlich). Andererseits….
…ja, andererseits, kann man die letzten Tage nochmal auskosten und voller inbrunst gegen die Vorsätze verstoßen, die man ja sowieso nicht eingehalten hat.
Und so klicke ich auf „Jetzt kaufen“, erlöse all die wunderhübschen Artikel aus meinem Asos-Warenkorb und schaffe etwas Platz in meinem Schrank. Dann vollbringe ich meine gute Tat für dieses Jahr (immerhin ein Vorsatz, der damit erfüllt wurde), schmeiße meine schwächelnden Pflanzen weg und gestatte meinen Mitbewohnern, den Platz in der Wohnung zu nutzen, den ich vorher für meinen Pflanzenfriedhof gebraucht hatte.
Und zu guter letzt freue ich mich auf die Zugfahrt in die Heimat.
Denn dann werde ich im Zug sitzen, mit meinem Reisebecher voll von heißer Schokolade, dem passenden Umrüher und dem Riesenhai, den ich gleichzeitig als Kissen und als Decke nutzen kann.
Ha!
UND IHR NICHT!

 

Und um Matthias noch seinen Wunsch zu erfüllen:
BIER – PLAYBOY – FUßBALL – SNEAKERS – PLAYSTATION

Das muss für 2014 als männerlastiges Material in meiner Kolumne langen.


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UND IMMER WIEDER HEITER SCHEITERN

Die Nacht der Nächte, in der sich alles ändern soll. Üppig bestückt sind sie ja meistens, diese Listen an Neujahrsvorsätzen. Und so sehr ich mich auch dafür schäme: Jedes Mal aufs Neue – sobald ich langsam die Aussicht auf ein neues Jahr erhalte – zücke ich meine To-Do – Liste und schreibe auf… naja… eigentlich alle Vorsätze, die es bereits im vergangenen Jahr auf die Liste geschafft haben. Und im Jahr davor. Und die aus dem Jahr davor auch.
Es scheint – auch wenn ich mir das nur schweren Herzens eingestehen kann – dass ich wohl noch nie einen Vorsatz voll und ganz in die Tat umgesetzt habe. Ich bin fast so kühn zu behaupten, dass bei mir die meisten Vorsätze bereits Ende Januar in die ewigen Jagdgründe verschwinden. Zusammen mit dem ein oder anderen Kleid, in das ich eigentlich – dank einiger kalorienreduzierenden Vorsätze – wieder hineinpassen wollte. Ich breche die Vorsätze immer wieder. Ich hab’s mir quasi einfach “johanngewöhnt”.

Aber so sind sie, diese mistigen Vorsätze: Elendige kleine Zukunftsfantasien, die bei mir den Eindruck erwecken, die Umsetzung sei ein Klacks. Wie üppige Anleitungen zu Hochsteckfrisuren. Und am Ende sieht’s doch nur aus, wie ein verwaistes Vogelnest!
Aber es sind nicht nur die Wiederholungstäter, die sich auf dieser Liste der unrealistischen Wahnvorstellungen wiederfinden. Denn auch wenn mein Geldbeutelinhalt sich scheinbar weigert dies zu glauben: Stetiges Wachstum ist das A und O. Deshalb kommt jedes Jahr ein Vorsatz hinzu, über den ich bereits bei der Formulierung weiß: “Hallo kleiner Vorsatz, auch Dich werde ich nun Jahr für Jahr wieder sehen.” Doch ich tu’ es trotzdem. Genau wie ich mir jeden Sommer mindestens eine Jodhpurhose zulege, obwohl mir doch schmerzlich bewusst ist, dass ich damit aussehe, wie eine Fünfjährige in einem zu großen Strampler. Ich habe bereits fünf (!) von dieser Hosensorte in meinem Schrank. Und genau wie die Ansammlung dieser zweifelhaften Sommerteile, vermehren sich auch meine Vorsätze.

Letztes Jahr hatte ich einen famosen Vorsatz, in dem sogar die minimale Hoffnung hatte, ihn durchzusetzen. Ich hatte mir fest vorgenommen, mir nur noch Kleidungsstücke zu leisten, von denen ich bereits wusste, dass sie mir ganz hervorragend standen. Eben alle Teile, die etwas “johannmutiges” an sich hatten. Mit Mitte zwanzig hat man ja so einiges durch und weiß zumindest, worin man nicht ärmer, ungelenkiger oder blasser wirkt, als man sowieso schon ist. Also habe ich mich ganz bewusst dazu entschlossen, Kleidern, High-Waist-Röcken und Wedges den Vorrang zu geben und meinen Schrank nur noch mit Dingen zu bestücken, die bereits als besonders kleidsam “johannerkannt” wurden. Doch der Sommer kam, mit ihm die 5. Jodhpurhose. Und damit war dann auch dieser Vorsatz dahin.
Und wenn auch der einzige Vorsatz, den ich scheinbar verinnerlicht habe, lautet, Vorsätze nie einzuhalten, so komme ich doch nicht darum herum, für 2014 ein neues Highlight an Unerreichbarkeit hinzuzufügen. Also werde ich auch diesmal einen Vorsatz aussuchen. Ich weiß auch schon, wie mein neuer Vorsatz lauten wird:
Nie wieder Mischwörter aus Adjektiv und meinem eigenen Namen.
Denn das klingt einfach lächerlich.

 


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