Wie ich quasi schon auf das Licht zulief – Schlüssellos unterwegs Teil 2

Ein Frühlingsfest, eine Johanna, eine gesperrte EC-Karte, ein fast leerer Handy Akku und ein Haustürschlüssel, der noch zuhause lag: Es gibt Abende, da passt einfach alles. Manchmal eben nur nicht so, wie man das gerne hätte. Und doch glaubte ich zu dieser Stunde noch an das Glück in all diesem Unglücken. Das Glück kam auch – nämlich in Form einer Nachricht von meinem Mitbewohner direkt auf mein Handy: „Ich bin daheim, bin extra mit dem Taxi gefahren. Du kannst also jetzt wieder nachhause kommen.“
Ich war erleichtert, dass ich die Nacht offensichtlich doch in meinen eigenen vier Wänden verbringen durfte.
„Du kommst jetzt also wieder rein?“ hakte Corinna nach. „Klar“, strahlte ich bis über beide Ohren. Und so trat ich die Heimreise an und stand bereits nach kurzer Zeit mit piepsendem Handy, das inzwischen den Warnhinweis „Bitte laden Sie den Akku auf“ anzeigte, vor meiner Tür.
Ich klingelte. Einmal. Zweimal. Zwanzigmal.
Nach ca. einer Viertelstunde zweifelte ich langsam daran, dass mir mein Mitbewohner tatsächlich nochmal die Haustür aufmacht und begann mich zu fragen: „Was mache ich jetzt bloß? So ohne Geld? Und ohne Schlüssel?“
Ich kam zu dem Entschluss, dass mir in dieser Situation nur eines helfen kann: bitterliches Weinen. Und so tat ich das. Offenbar so dramatisch und Geräusch-intensiv, dass mich ein Bewohner des Hauses hörte. Er machte auf und ließ mich – nämlich eine schluchzende Person mit weißem Kunstfellmantel und einem riesigen Blumenkranz auf dem Kopf – ins Haus hinein. Im Nachhinein betrachtet ziemlich schockierend, wen oder was die Nachbarn da einfach so (ohne groß Fragen zu stellen) ins Haus lassen. Aber gut – ins Treppenhaus hatte ich es geschafft. Und versuchte nun zunächst meine eigene Haustür aufzutreten. Es sah wahrscheinlich relativ unelegant aus, wie ich da immer wieder gegen die Tür hüpfte…und ich trotzdem nichts erreichte, außer einen blauen Fleck am Knöchel und die Gewissheit, keine gute Kriminelle abgeben zu können.
Mein Handy piepste erneut und deutete an, dass es jede Sekunde ausgehen würde. Also nutzte ich die letzte verbleibende Möglichkeit, rief den Schlüsselnotdienst an, schrie meine Adresse in mein Handy – bevor sich das Gerät von selbst abschaltete – und hoffte, dass der Schlüsselnotdienst sich meine Adresse und meinen Ernst der Lage rechtzeitig notieren konnte. Ja, ich hoffte auf den Retter in der Not – der sich dann nach 15 Minuten in Form eines Schlüsselnotdienstmannes zeigte.
Ich jubilierte und freute mich über diesen Retter in der Not. Das jubilieren ließ nach, als dieser Retter erklärte, dass er über 400€ für das Öffnen der Tür verlangen musste. „Über 400€???“ rief ich und ergänzte – natürlich ohne zu dramatisch zu werden – „Dann möchte ich lieber, dass die Tür verschlossen bleibt. Bitte lassen Sie mich einfach hier sterben. Vor meiner Haustür. Allein und ohne Handy. Und so ganz ohne etwas Essbares“ Ich schluchzte noch ein bisschen, denn das passte so herrlich gut zu meiner aktuellen, höchst dramatischen Lage. „Ich kann Sie hier doch nicht einfach sitzen lassen!“ erklärte der Schlüsselnotdienstmann. „Doch, das können Sie“ meinte ich. „Sie können einfach gehen. Ich komm schon klar. Vielleicht überlebe ich es nicht, ich werde eventuell hier draußen verhungern. Aber jeder hat ja bekanntlich sein Päckchen zu tragen.“
„Ooooookay“ rief der Schlüsselnotdienstmann, fluchte leise und tippte in sein Gerät alle Rabatte ein, die man so von einem Schlüsselnotdienstmann bekommen konnte. Und nachdem ich also im Schlüsselnotdienstmannsystem als „Minderjähriger schwerbehinderter Student“ hinterlegt wurde, waren die Kosten gleich nur noch halb so hoch.
„Super, dann öffnen Sie jetzt die Tür“ drängelte ich und wurde innerhalb 10 Sekunden in meine Wohnung gelassen. 10 Sekunden. Ganz ehrlich, diese Einbrecher-Skills sollte ich mir für den nächsten Ausflug ohne Haustürschlüssel mal zeigen lassen.
Und so war ich wieder zuhause. Und fand meinen Mitbewohner. Seelig ruhig schlafend in seinem Bett!!!Ich knallte wütend seine Zimmertür zu – worauf er es trotzdem wagte, einfach weiter zu schlafen.

„Oh Johanna, ich kann mir vorstellen, wie sehr Du Deinen Mitbewohner das noch spüren lässt, dass er Dich nicht gehört hat“, meint mein Cousin Philip am nächsten Morgen bei einem Spaziergang durch die Wilhelma, nachdem ich ihm alles erzählt hatte.
„Zu recht“ entgegne ich und schmiede bereits Rachepläne.
„Du weißt aber schon, dass es eigentlich DEINE Schuld war!?“ fragt er. „Ich meine, DU hast den Schlüssel vergessen, DU hattest den Akku des Handys nicht richtig geladen. DU hast die PIN Deiner EC-Karte falsch eingegeben. Und DU hast Dein letztes Geld für einen Blumenkranz für die Haare ausgegeben.“
„Du kannst das ja gar nicht verstehen…wie das so ist. Wenn man vor der Tür steht. Ohne Essen. Ohne Trinken. Das Leben zieht an einem vorbei. Und der Mitbewohner hört einen einfach nicht“ schluchze ich.
Philip lacht: „Ach Johanna, wir wissen doch beide, dass Du manchmal gerne alles etwas dramatisierst. Gerade wenn Du nichts zu essen bei Dir hast.
„Auch ohne Essen – Ich dramatisiere NIE etwas“ rufe ich empört und schmeiße mein Eis, das mit Philip gerade erst ausgegeben hat, wütend auf den Boden.
Und dann kommen mir die Tränen.
Denn der Weg war noch weit, bis nachhause.
Und so ganz ohne Eis würde ich sicherlich elendig verhungern.
Das ist mal sicher.

 


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Und dann ist da noch…Yoga mit Heidi & Elena

Yoga. Für mich ein bisher doch sehr unerforschtes und unbekanntes Gebiet, um das ich einen großen Bogen gemacht habe. All die Über-Yogis mit Ihren langgestreckten, biegsamen Körpern, die gleichzeitig eine solche Eleganz und Ruhe ausstrahlen… Nö, so sehe ich beim Sport definitiv nicht aus. Schon gar nicht, wenn mein rechter Fuß hinter meinem linken Ohr liegt.
Durch einen Blogger-Workshop habe ich dann Heidi kennengelernt. Ein Yogi, die es direkt (und über Ihren Blog „Kurmasana“) schaffte, mich mitzureißen und zu denken: „Vielleicht sollte ich das mit dem kunstvollen Verbiegen doch mal testen!“
Was für ein Glück, dass Heidi – zusammen mit Ihrer gleichgesinnten Freundin Elena – jeden Freitag im Wechsel den Kurs „Power Vinyasa“ im Mamaspa anbietet.


Und so ließ ich es mir nicht nehmen und besuchte vergangenen Freitag den Kurs von Elena. Ich gelangte in einen gemütlichen Vorraum, der schon ein bisschen Yoga-Stimmung vermittelte. Ich war ziemlich spät dran, aber Elena war sehr gelassen und entspannt und wartete ohne zu murren ab, bis ich mich endlich in meine Sportkleider geschmissen und mir eine Yoga-Matte geschnappt hatte. Da ich nun mal immer relativ spät dran bin, war ich gleich positiv beeindruckt von so viel Gelassenheit. Noch beeindruckter war ich, als uns – zu unseren Yoga-Matten – auch noch Decken, Kissen und Augenkissen gereicht wurden. Das alles sah einfach so unglaublich gemütlich aus und erweckte bei mir sofort verzückte Erinnerungen an mein Bett und an ein ausgedehntes Schläfchen.


Doch wer nun denkt (und ja, ich muss zugeben, ich dachte daran) dass nun 75 Minuten Tiefschlaf folgen würden, der irrt. Denn die Übungen, die Elena mit uns gemacht hat, hatten es in sich, ohne aber zu überfordern oder zu irritieren. Und auch, wenn Sie vorgab: „Nun das Bein gerade nach oben strecken“ und man sich heimlich fragte: „Welche Gelenke muss ich aushebeln können, um dieses Bein nun in dieser Position nach oben zu bekommen?“ kam man sich doch nie doof vor. Vielleicht, weil man in dem Moment viel zu sehr in die Yoga-Welt abgetaucht ist. Oder weil gar keine Zeit blieb, sich selbst und seine Ungelenkigkeit zu hinterfragen: Die ganzen 75 Minuten glitten dahin, in einer ausgewogenen Mischung aus Anspannung und Entspannung.Und was während des Kurses seinen Anfang fand, hatte mich nach dem Kurs voll und ganz eingeholt: Gelassenheit, Zufriedenheit und der Muskelkater, der auch nicht zu verachten war.
Und jetzt sitze ich hier, schreibe diesen Bericht über den Kurs bei Elena, den ich wärmstens empfehlen kann und freue mich, auch mal ein Stündchen bei Heidi auszuprobieren. Und muss doch kurz einmal raus, an die frische Luft, ab in die Kälte.
Denn es hat mich gepackt: Das Yoga-Fieber.

 

 

Für wen?  Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene
Kosten?    Drop-In: 10€ / 10er-Karte: 90€
Wo?           Yoga Love (Mamaspa), Augustenstraße 2, Stuttgart
Wann?      Jeden Freitag, 18:30 – 19:45 Uhr

Weitere Infos gibt es über www.lightbomb.de oder über www.kurmasana.de

Blendend ausgeblendet

Schon früh habe ich angefangen, den passenden Sport für mich zu finden. Bereits mit 4 stand ich im Ballettunterricht. Selbstverständlich war ich mit meinen kurzen Haaren und meinen schokoladenbelasteten Speckbeinchen nicht gerade prädestiniert dafür, einmal als Tänzerin groß rauszukommen. Groß wurde ich ja bekanntlich nie. Und Balletttänzerin wurde ich auch nicht. Das blaue Tutu, der weiße, fließende Rock, die rosa Spitzenschuhe und die weißen Ballettschühchen. All das Equipment sah unvergleichlich bezaubernd aus. Und verlor gleichzeitig so dermaßen an Anmut, sobald ich drinsteckte, sodass ich nach ein paar Jahren harten Trainings den Ballettschuh an den Nagel hängte. „Werd‘ doch Funkenmariechen“, schlug mein Opa damals entzückt vor, als ich am Mittagstisch mit meiner Mama darüber nachdachte, welcher Sport für mich der richtige sein könnte. Wer nicht ins Balletttraining passt, der passt auch ziemlich sicher nicht in die Garde – auf diesen Gedanken hätte man schon kommen können. Nicht aber mein Opa, der stolze Präsident vom Karnevalsverein meiner Heimatstadt. Und auch nicht ich, der größte kleine Fan meines Opas. Und auch nicht meine Mama, die sich freute, dass ich überhaupt Ambitionen zeigte, einen weiteren Sport auszuprobieren. Außerdem ist meine Mama noch heute der größte Fan von mir. Das wissen aber nur Sie und ich. Gesagt hat Sie es zwar nie, aber man sieht’s in Ihrem Blick.

Und so stolzierte ich, gemeinsam mit einer damaligen Freundin  dank meiner Überredungskünste („Du kommst mit oder ich rede nicht mehr mit Dir“) ins Gardetraining. Das Training ging eine Stunde. Ich beschloss bereits nach 40 Minuten das Thema Garde doch den anderen Mädchen zu überlassen und mir einen alternativen Sport zu suchen. „Spiel doch mal Tennis!“ motivierte mich meine älteste Schwester Maria. Sie selbst spielte Tennis und ich musste schon zugeben, dass Sie in Ihren Sportsachen auf dem Tennisfeld, mit dem großen Schläger, unglaublich sportlich aussah. Was ich damals noch nicht wirklich begriff: Im Gegensatz zu mir war Sie auch sportlich. Für mich stand jedoch fest: Ich spiele Tennis. Auch diesem Versuch stimmte meine Mutter zu und brachte mich zum ersten Training. Ich fand Gefallen daran, endlich mal etwas mit Action zu machen. Und ich ging auch wirklich gerne ins Tennis. Damals. Ich würde vermutlich heute noch gehen, wenn dieses Netz in der Mitte nicht gewesen wäre. Und die Linie, die das „Aus“ markierte. Ach ja, und die Regeln. Und der Gegner. Und der Ball war auch manchmal uncool. Und so kamen wir, nämlich ich, meine Mama, meine Trainerin und alle, die mir mal beim Training zuguckten, zu dem Schluss, dass ich nicht fürs Tennis geboren war. Das machte aber gar nichts. Denn zu dieser Zeit hatten wir in der Schule gerade Badminton- und Fußball-Angebote, die ich mit vollem Engagement wahrnahm. Ich war auch ziemlich gut, fand ich. Das fand mein Lehrer auch. Und er meinte weiter, dass ich wirklich, wirklich gut werden könnte, wenn ich mehr zu einem Teamplayer werde und nicht immer alle Foule. Besonders die Fouls an meiner eigenen Mannschaft wurden mir erschreckend übel genommen. Ich wurde immer sofort vom Feld genommen, musste von der Bank den anderen beim Spielen zuschauen und einmal wurde ich sogar mehrfach (!) dazu genötigt, mich bei meiner besten Freundin Laura entschuldigen, weil Sie mit mir im Badminton-Doppel spielte und ich versehentlich Ihre Nase mit meinem Schläger blutig schlug. Ich fand, dass ich dieses Versehen wirklich gut mit der Tatsache erklären konnte, dass Laura mich um den Gewinn gebracht hatte, in dem Sie nicht zum Ball rannte. Mein Trainer befand, dass man trotz dem Willen zu gewinnen mit mehr Rücksicht spielen müsse. (Das wir gewonnen haben, das zählt wohl so gar nicht, was!?)
Und so kam es, dass Badminton und auch Fußball die beiden Sportarten wurden, von denen ich ganz unfreiwillig verbannt wurde. Zu meinem Bedauern. Und zur Erleichterung meiner Freundin Laura und Ihrer Nase.

Rückblickend betrachtet, scheine ich einfach für Sport nicht gemacht zu sein. Oder gibt es einfach keinen Sport, der für mich gemacht ist? Und ja, ich habe schon mehrfach nachgehakt: Schlafen, Shoppen und Stundenlang in High Heels zu laufen sind aktuell (noch) keine anerkannten Sportarten. Doch ich arbeite bereits daran.
Und bis es soweit ist, frage ich mich: Welcher Sport könnte mir mehr Erfolg versprechen, wo ich doch alle gängigen Sportarten bereits in Erwägung gezogen hatte?
„Also, ich war da letztens in Bikram-Yoga…“ höre ich meine Kollegin Sabrina berichten und google sofort drauf los. So, so. Yoga bei 40 Grad. Klingt mal nach etwas außergewöhnlichem, etwas, von dem ich vorher noch nie gehört hatte und bei dem die Wahrscheinlichkeit, versehentlich andere Nasen blutig zu schlagen, sehr gering scheint. Und so schnappe ich mir meine Freundin Bridget und mache mich auf den Weg ins Bikram-Yoga-Studio.

„Mannomann, Yoga bei 40 Grad. Das ist bestimmt nicht ohne!“ meint Bridget.
„Absolut!“ Stimme ich ohne zu zögern zu und bin voll und ganz davon überzeugt, hier den richtigen Sport für mich gefunden zu haben.
Das glaube ich wirklich.
Bis mir beim Betreten des Studios siedend heiß etwas einfällt:
„Ey Bridget“ flüstere ich. „Du…eigentlich hasse ich ja Hitze!“
„Hitze ist nur ein Gefühl, blende es einfach aus“, interveniert die Yoga-Trainerin in meditativer Gelassenheit.
„Okay, das versuche ich“, lächle ich entspannt zurück.
WOW! Wie ich diesen Sport einfach sowas von rocken werde!
Motiviert stolziere ich in die Umkleide und freue mich aufs Yoga, aufs Training, auf die Hitze und aufs Ausblenden.
Bis ich meine Sporttasche öffne und bemerke, dass ich in der morgendlichen Hektik offenbar meine lange Thermo-Jogginghose und mein Thermoshirt (eigentlich geeignet für kühle Wintermorgende) eingepackt hatte.
„Jetzt nicht wirklich“ stöhnt Bridget und verrollt bei meiner Kleiderauswahl die Augen. Sie schüttelt ungläubig den Kopf.
Doch das blende ich einfach aus.
Oh. Ich wusste es.
Ich bin schon jetzt Profi. Irgendwie.

 


Photo Credits: https://www.flickr.com/photos/racheldtaylor/2345700632