Ich packe meinen Koffer…

…und nehme mit: Völlige Ahnungslosigkeit! Vor Wochenendtrips überfällt mich nämlich jedesmal die absolute Panik. Mit was soll ich mein kleines, fliederfarbenes Köfferchen füllen? Und wie schafft man es, den Inhalt eines 81×180 cm großen Kleiderschrankes in einen 54 x 30 cm kleinen Reisekoffer zu quetschen? Das Einzige, was derzeit auf meiner Einpack-Liste steht: Eine Zahnbürste.
Wenn nur alles so einfach wäre!

Die große Problematik liegt hier eindeutig an meiner angeborenen Entscheidungsschwäche, wenn es um die Suche nach den richtigen Outfits geht. Diese allmorgendliche Suche kann mal nur 10 Minuten dauern. Zum Beispiel wenn einem das altbewährte Lieblingsoutfit ins Auge sticht und alle relevanten Stücke gewaschen und gebügelt bereitliegen. Man braucht nur noch hineinzuschlüpfen und fühlt sich pudelwohl. Leider kommt diese Situation bei mir in etwa so oft vor, wie Tage an denen ich gestehe, zu viele Kleider zu besitzen. Korrekt, dies passiert niemals! Und, selbst wenn das Lieblingsoutfit tatsächlich tragebereit im Schrank hängt, heißt es noch lange nicht, dass es auch wirklich an dem heutigen Tag tragbar ist. Entweder fehlt das wichtigste Accessoire(Wo hab’ ich die Kette noch gleich hingelegt?) oder die Stiefel sind derzeit untragbar (Ach ja, ich wollt ja noch zum Schuhmacher). Manchmal sieht man in dem bewährten Kleid auch einfach nur irgendwie 5 Kilo schwerer aus als gestern. Und hin und wieder hat man das Outfit auch einfach satt. Irgendwas ist immer. Oder irgendwas fehlt immer. Und lässt mich damit verzweifeln.

Dieses Drama spielt sich also morgens bei der Kleiderauswahl ab – und das, obwohl man nur ein Outfit für einen Tag planen muss. Nun kann man sich gut vorstellen, wie ich mich fühle, wenn ich für mehrere Tage, unterschiedliche Gelegenheiten, ungleichmäßige Wetterverhältnisse und wechselnde Gelegenheiten planen muss. Trotzdem schaffe ich es nach langer Umzieherei, ein Tagesoutfit auzuwählen: Leokleid, Goldschmuck, Jeanshemd, Wildlederstiefel, bronzefarbene Strumpfhosen und meine neue Satchelbag. Kaum aus der Wohnung, stelle ich leider fest, dass meine Strumpfhose so gar nicht zum Leokleid passt. Also drehe ich um, suche eine neue Strumpfhose, die jedoch leider so gar nicht mehr zu den Stiefeln passt. Deshalb schlüpfe ich direkt in meine Ballerinas, suche mir dementsprechend eine neue Tasche heraus und verlasse dann – endlich und in einem ganz anderen Outfit als noch vor einigen Minuten – das Haus.

Völlig k.o. von dieser sportlichen Höchstleistung, komme ich zu dem Schluss, dass ich es wohl nie schaffen werde, mich auf einen gelungenen Kofferinhalt festzulegen. Betrübt kaufe ich noch schnell das, was mir am leichtesten fällt: Eine Zahnbürste für den Trip. Sie ist Marineblau mit Reisekappe und flexiblem Griff.
„Na also“ denke ich, hake gedanklich diesen einzigen Punkt auf meiner Liste ab und bin überrascht, wie schnell man manche Dinge doch erledigen kann. „So einfach wie die Entscheidung für ‘ne Zahnbürste kann das Kofferpacken doch weitergehen“, jubiliere ich im Office voller Hoffnung und halte siegreich meine neue Zahnbürste in die Luft.

„Sehr gut, Johanna! Die hab ich auch. Nur in einem Fliederton“, meint Helen.
Fliederton?
Das würde ja schon irgendwie besser zu meinem Reisekoffer passen.
Mist!
Ob man die Zahnbürste noch umtauschen kann?

 


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GESTATTEN, STILIKONE!

Gerade in letzter Zeit höre ich häufig den Ausruf: “Die hat richtig Stil”. Meistens in Zusammenhang mit Olivia Palermo, Alexa Chung und Co. Klar, dass ich mir jetzt so meine Gedanken mache, was es mit diesem “Stil” auf sich hat. Und unweigerlich schmeiße ich meine bisherigen Neujahrsvorsätze über Bord (okay, die meisten hatte ich sowieso schon aufgegeben) und ersetze sie durch einen einzigen, dringlichen Wunsch: Ich will Stilikone werden!
Ein ziemlich hochgegriffener Anspruch an mich selbst, wenn man jemand ist, der überall dagegenrennt, sich des öfteren im Halbdunkel anzieht und seinen männlichen Mitbewohner (ehemaliger Mathestudent!) zum persönlichen Fashionberater erchoren hat.
Sehr schnell nach der Verkündung dieses neuen Vorhabens, und nachdem ich meinem Umfeld klarmachen konnte, dass mein Plan definitiv kein Scherz ist, taucht ein Bild vor meinen Augen auf. Das Bild, wie ich an einem sonnigen Abend mit meinen neuen Higheels mit Pfennigabsatz über den Kopfsteinbepflasterten Marktplatz getrippelt bin. Ich fühlte mich gut, das Outfit saß und ich….steckte plötzlich mit einem Absatz unwiderruflich zwischen zwei Betonsteinen fest. Ob man mit hochrotem Kopf einen Schuh aus dem Boden herausbohren – und dabei bei anderen den Eindruck erwecken kann: “Wow, DAS ist eine Stilikone!”? Selbst wenn so etwas möglich ist, so ist es mir an jenem sonnigen Abend eindeutig nicht gelungen! Und dann die Tatsache, wie ich ständig von meinem Gegenüber beim guten Essen im Restaurant wahlweise mit schiefem Grinsen oder aufgerissenen Augen angestarrt werde, wenn ich anfange zu essen. Und das ist kein Wunder, im Hinblick darauf, dass es jeder Vierjährigen stilechter gelingt zu speisen, als ich. Es gehört schon was dazu, regelmäßig Spuren der Köstlichkeiten im Gesicht oder am Oberteil zu hinterlassen. Oder am Schuh (ja, auch das ist mir schon gelungen). Ob sich eine Olivia Palermo auch so fatale Fehltritte beim Speisen leistet? Schwer vorstellbar, dass Sie dann noch als Stilikone gelten würden. Ich komme nicht drumherum: Essensreste auf meinen Outfits zu verteilen und mich in der Öffentlichkeit zu blamieren, scheint für mich ein leichtes zu sein. Stilikone zu werden eher nicht. Doch dann kommt meine Kollegin Sabrina auf mich zu und erklärt: Für mich ist Stil, wenn man es schafft, sich seinem Charakter entsprechend zu kleiden! Und das ganze Team nickt zustimmend. Außer unser IT-Held Michael, der sich ganz sicher ist, dass es sehr stilvoll sein kann, ab und zu völlig nackt durchs Office zu rennen.
Ich entscheide mich spontan dafür, doch eher Sabrina zuzustimmen und schaue direkt nach Kleidern und Accessoires, die zu meinem Charakter passen. Auf der Suche nach fleckigen Kleidern, sehr mitgenommenen Heels und Accessoires, die so aussehen, als hätte man sie einige Male fallen gelassen, werde ich aber einfach nicht fündig.

Gut, dann halte ich mich einfach zukünftig an Michaels Hinweis.

 


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